Schulstruktur und Schulsystem

Das gesamte Schulsystem ist in den letzten Jahren ins Gerede gekommen, weil sich gezeigt hat, dass die erbrachten Leistungen nicht den Investitionen und Erwartungen entsprechen. Die Gründe sind vielfältiger Natur, liegen aber hauptsächlich darin, dass in den einzelnen Schulformen die ursprünglich erwartete Schülerpopulation nicht erreicht wird. Weder die Gymnasien erhalten die Schüler, die sie sich wünschen, noch die Realschulen, Sekundarschulen, Gesamtschulen oder Hauptschulen.
So passten alle Bildungs- und Erziehungskonzepte dieser Schulformen plötzlich nicht mehr. Sie können sich das ganz einfach an einem Beispiel verdeutlichen:
Eine Tischlerei, die bisher vornehmlich Eiche, Buche und Kiefer aus heimischen Wäldern verarbeitete, bekommt statt dessen Mahagoni, Red Cedar und Teak geliefert. Die Handwerksmeister sind ratlos, weil ihre Bearbeitungsverfahren und Werkzeuge plötzlich schlechte Ergebnisse erbringen. Alles, was sie gelernt haben, passt auf einmal nicht mehr, weil sich das neue Material ganz anders verhält. Außerdem liefert man jetzt auch noch Holz mit Ästen und Verwachsungen.
Ähnlich ist das auch mit der Schule. Die Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund ihrer Ausbildung für verschiedene Schulformen vorbereitet waren, bekamen plötzlich ganz andere Kinder in ihre Klasse. Sie waren darauf nicht vorbereitet. Sie mühten sich redlich, rackerten sich ab, erstellten laufend neue Unterrichtsmaterialien für neue Situationen, verzweifelten aber sehr oft, weil ihre Bemühungen zu keinem Erfolg führten. Das Ministerium hatte nämlich dieses Problem gar nicht so schnell erkannt und ihnen Lehrpläne vorgesetzt, die von ganz anderen Voraussetzungen ausgingen. In treuem Glauben an die Kompetenz dieser Lehrplanmacher versuchten die Pädagogen, die vorformulierten Ziele zu erreichen und waren völlig frustriert, weil sie es nicht schafften.
Alle Alarmsignale der Lehrerinnen und Lehrer an das Ministerium blieben aber ungehört, vielmehr schob man ihnen die Schuld an dieser Misere zu. Man warf ihnen vor, nicht genügend zu evaluieren, keine Qualitätsstandards einzuhalten, sich nicht genügend zu engagieren, nicht entsprechend zu differenzieren oder einfach nicht flexibel genug zu sein.
Man begann sie zu kontrollieren, weil man glaubte, dass sie ihre Aufgabe nicht gewissenhaft genug erfüllten. Besser wäre es gewesen, das Ministerium hätte sich an die eigene Nase gefasst und überlegt, ob man die Lehrerinnen und Lehrer nicht hätte anders ausbilden müssen, vielleicht hätte man man auch die Gruppengröße verringern können oder durch administrative Maßnahmen den ungehemmten Zustrom artfremder Schülerinnen und Schüler regulieren können.
Nichts von dem geschah; vielmehr wunderte man sich, dass die Leistungen des deutschen Schulsystems immer weiter sanken. Zudem kam man noch auf Idee, sich an der UN-Konvention zu beteiligen und die Inklusion als verpflichtende Maßnahme für alle Schule hinzuzunehmen.

1. Die heutige Situation in der Schule
Auch ohne PISA und andere Untersuchungen  könnten die Leistungen verbessert werden, wenn nicht folgende Faktoren eine erfolgreiche Lernarbeit erschwerten:

  • Reduzierung der Pflichtstunden für die Schüler in der Sek.l (weniger Stunden und Verschleierung der echten Pflichtstunden durch Bandbreitenvorgabe) und in der Sek.ll (Reduzierung der Leistungskursstunden)
  • Erhöhung der Stundenzahl in der Sek. I und mehr Stress durch das Abitur nach 8 Jahren
  • Unterrichtsausfall, der nicht immer durch Management bedingt ist
  • unzureichende Effektivität von Arbeitsstunden in der Ganztagsschule
  • zuviel Differenzierung und dadurch Desorientierung der Schüler
  • keine ehrliche Leistungsbeurteilung in der Grundschule und in der Gesamtschule
  • keine Hindernisse in der Gesamtschule durch fehlende Versetzung bis Klasse 9
  • zunehmende Defizite der Schüler durch unzureichende Grundschulkenntnisse
  • keine Qualitätsnormen bei der Aufnahme in Klasse 5
  • schwammige und teilweise unehrliche Empfehlungen der Grundschulen
  • erschwerende Vorgaben der Politik zur Inklusion
  • immer noch zu große Klassen
  • immer mehr verhaltensgestörte Kinder
  • immer mehr sonderschulbedürftige Kinder in den Normalklassen
  • immer mehr ausländische Schüler mit unzureichenden Sprachkenntnissen
  • räumliche und materielle Reduzierung durch Schulträgereinsparungen
  • Reduzierung der Reinigungsleistung der Kommunen durch Intervallreinigung
  • Verschlechterung des Pflegezustandes der Gebäude durch Senkung der Bauunterhaltung durch die Schulträger
  • personelle Reduzierung durch Stellenabbau
  • Überforderung der Lehrer durch größere Klassen, Vorgriffsstunden und Mehrarbeit
  • keine oder unzureichende Stellenreserve
  • bedarfsdeckender Unterricht durch Lehramtsanwärter bei verkürzter Ausbildungszeit
  • unprofessioneller Unterricht durch Ersatzkräfte mit befristeten Verträgen und Seiteneinsteiger
  • Zuweisung von Lehrern an bestimmte Schulformen ohne Ausbildung in dieser Schulform
  • bruchstückhafte Lehrpläne, reduzierte Kernlehrpläne mit häufigen Änderungen
  • fehlende Abstimmung der Lehrpläne zwischen der Sekundarstufe I und II
  • Diskriminierung mancher Schulformen in der Öffentlichkeit
  • seltsame Vorstellungen von Qualitätsansprüchen des Ministeriums:
    - Überprüfung der Korrekturarbeiten
    - Aufgabenbeispiele und Parallelarbeiten
    - neue APO SI
    - neue APO-GOSt
    - fehlende Leistungsprämien
    - Aussparung der Lehrer von der Altersteilzeit ab 55
    - mehr Kontrolle statt deutlicher qualitativer Vorgaben
    - keine Rückendeckung der Lehrer in der Öffentlichkeit
  • Differenzierungsmodelle und Profilierungsversuche einzelner Schulen werden nicht zugelassen
  • Nachlassen der Leistungsbereitschaft durch negative Entwicklung der gesellschaftlichen Situation
  • Nachlassen der Elternmitarbeit und fehlende häusliche Erziehung
  • Anstieg von Widersprüchen und juristischen Eingaben auf schulische Entscheidungen
  • Belastung der Lernsituation in den Schulen durch gesellschaftliche Probleme (Gewalt, Drogen, Sexualität, Medien)
  • unzureichende Bedingungen bei der Einführung der Inklusion
     

2. Die Mängel des Schulsystems
In der Vergangenheit sind schon sehr viele Modelle zur Schulstruktur diskutiert worden. Wenn Deutschland den Anschluss an die europäische Spitze wiedergewinnen will, sind tiefgreifende Veränderungen im Bildungssystem erforderlich. In unserem derzeitigen System zeigen sich schwerwiegende Mängel, die nicht zu tolerieren sind:

  • Ein Drittel aller Abiturienten macht die Sekundarstufe II doppelt. Nach dem Abitur gehen viele Schüler in einen Ausbildungsberuf und besuchen nochmals die Sekundarstufe II des Berufskollegs. Das ist auch für diese Schulform ein neues Problem und bildungspolitisch eine Fehlleistung.
  • Viele Schüler haben nicht die notwendige Berufsfähigkeit. Das zeigt sich nicht nur bei den Abiturienten, sondern auch bei den Sekundarabschlüssen I, die oft nicht die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten aufweisen, um erfolgreich ein Ausbildungsverhältnis zu beginnen oder durchzustehen.
  • Die Höheren Handelsschulen sind der bevorzugte Parkplatz der Jugend. Wer nach der Fachoberschulreife keinen Ausbildungsplatz findet, meldet sich hier an. Die erreichten Abschlüsse und Zukunftschancen sind katastrophal. Die meisten Berufe, die hier ihre Grundlage finden, sind überbelegt oder aussichtslos.
  • Viele Schüler haben nicht die erforderliche Studierfähigkeit. Das wird besonders dadurch offensichtlich, dass die Universitäten ohne Eingangstests oder Numerus Clausus nicht auskommen. Es herrscht kein Vertrauen in das Abitur als Zeugnis der Studierfähigkeit.
  • Die Fachhochschulen haben hervorragende Ergebnisse und hohe Abnahmequoten bei der Wirtschaft. Das kommt daher, dass sie sehr gezielt Fachkenntnisse in Spezialdisziplinen vermitteln, die aktuell und sehr gesucht sind.
  • Das „Entmischungsprinzip" der Bildungsministerin ist eine Katastrophe. Zunächst bestimmen praktisch die Eltern nach der Grundschulzeit, auf welche Schulform der Sekundarstufe I ihr Kind wechselt. Das wird ermöglicht durch die Abschaffung einer Aufnahmeprüfung bzw. eines Gutachtens durch die Grundschule. Die derzeitige Empfehlung hat wenig Rechtswirksamkeit, sodass die Eltern ihre Kinder in jeder beliebigen Schulform anmelden können. Die Schulen sind gezwungen die Kinder aufzunehmen, sofern sie Platz haben. Die Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien haben eine Orientierungsstufe (Klasse 5 und 6), nach deren Besuch die Versetzungskonferenz der Klasse 6 entscheidet, ob das Kind für die betreffende Schulform geeignet ist und weiterhin auf dieser Schule bleiben darf. Andernfalls muss es die Schule verlassen. Bei den Gymnasien und Realschulen klappt das einwandfrei: Sie können sich aller Schüler entledigen, die nicht brauchbar sind. Bei den Hauptschulen sind Abweisungen an die Förderschulen kaum möglich; stattdessen werden sonderpädagogische Maßnahmen empfohlen. Diese wiederum bedingen einen speziellen Aufnahmeantrag mit viel Papierkram, sodass allein deshalb viele Förderschüler in Hauptschulklassen bleiben. Außerdem ist das politischer Wille, denn die Förderschulen sollen verschwinden und einem gemeinsamen Lernen von nicht behinderten und behinderten Schülerinnen und Schülern weichen. Die Gesamtschulen fallen heraus, weil sie keine Orientierungsstufe haben. Sie müssen mit den einmal angenommenen Schülern leben, was noch dadurch erschwert wird, dass sie kein Sitzenbleiben bis zur Klasse 10 kennen.
  • Die Grundschulen geben keine eindeutige Beurteilung mehr ab, sondern eine Empfehlung, die oft wenig aussagefähig ist, weil sie nicht klar die tatsächliche Leistung des Schülers beschreibt.
  • Die Schulen der Sekundarstufe I müssen in vielen Fällen erst einmal die Defizite der Grundschule aufholen, um eine vernünftige Ausgangsbasis im 5. Schuljahr zu haben, die eine entsprechende Lernleistung der Schüler zur Folge hat.
  • Die Leistungsbereitschaft der Schüler ist teilweise nur minimal oder gar nicht vorhanden, da in der Grundschulzeit viel „verspielt" worden ist und die Schüler nicht gelernt haben ernsthaft zu arbeiten.
  •  Die Beratung der Eltern in der Grundschule ist nicht offen und realistisch. Die einzelnen Schulformen mit ihren Leistungen und Erwartungen werden nicht richtig vorgestellt, weil die dort informierenden Lehrer zu wenig Einblick in die derzeitige Pädagogik dieser Schulformen haben.
    Das Gymnasium wird als beste Schulform dargestellt. Wenn Eltern danach fragen, wird ihnen gesagt, sie "könnten es ja mal erst mit dem Gymnasium probieren. Wenn es nicht klappt, könnten die Kinder ja ohne Weiteres anschließend in eine andere Schulform wechseln. Schließlich haben wir ja ein durchlässiges Bildungssystem."  Die Gesamtschule wird als kindgerecht und Fortführung der Grundschule dargestellt. Sie wird als geeignet für alle Schüler geschildert, die irgendwelche Lernprobleme haben. Ein typischer Ausspruch ist: „In der Realschule muss Ihr Kind lernen - in der Gesamtschule kann Ihr Kind lernen!"
  • Die Hauptschule wird als letzte Möglichkeit dahingestellt. Vielfach wird den Eltern gesagt, sie sollten versuchen ihr Kind in einer Gesamtschule unterzubringen, weil es für „Hauptschule zu schade sei". Die Hauptschule wird in den Ballungsgebieten als Schule mit Ausländer- und Gewaltproblemen klassifiziert. Das Gymnasium wird als Schule dargestellt, die von den Schülern ein hohes Maß an intellektueller Lernleistung und Fleiß fordert. Die Gymnasialempfehlung wird nur gegeben, wenn das Kind eindeutig zur Leistungsspitze der Klasse gehört. Die Realschule hingegen wird immer dann empfohlen, wenn sich die Lehrer der Grundschule nicht sicher sind, ob ein Gymnasialbesuch erfolgversprechend ist. Die Sonderschule wird fast nie empfohlen. Sie wird ersetzt durch irgendwelche Förder- und Differenzierungsmaßnahmen. In den Zeugnissen erscheinen verklausulierte Leistungen, die „in differenzierten Kursen" erbracht worden sind. Nur die Eingeweihten wissen, dass diese Leistungen realistisch als ungenügend einzustufen sind.
  • Im Schuljahr 2000/2001 verließen 88.500 Jugendliche eine allgemein bildende Schule ohne Abschluss – fast ein Zehntel aller Schulabsolventen. Etwa zwei Drittel davon sind männlich. Jeder fünfte Abbrecher ist ein ausländischer Jugendlicher. In Ostdeutschland hatten 12 Prozent der Abgänger kein Abschlusszeugnis, im Westen waren es knapp 9 Prozent. Das hat sich in den letzten Jahren nur wenig verbessert: Im Jahre 2006 waren es wieder 75.897 Jungen und Mädchen, die die Schule ohne Abschlusszeugnis verließen.
  • Im Jahr 2001 wurde gut jeder vierte neu abgeschlossene Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Besonders viele sind es im Handwerk, weniger hingegen in kaufmännischen Berufen und beim Staat. Jeweils etwa ein Viertel der gelösten Verträge fällt in die dreimonatige Probezeit und das restliche erste Lehrjahr, die andere Hälfte der Abbrecher schmeißt die Lehre später. Auch im Jahre 2006 waren es noch 119.400 Jugendliche, die ihre Ausbildung abgebrochen haben. Das sind 20% der Auszubildenden.
  • Schätzungsweise ein Viertel der Studienanfänger verlässt die Uni ohne Examen. In den Sozial-, aber auch den Sprach- und Kulturwissenschaften werfen vier von zehn Studenten endgültig das Handtuch. Dem Bauingenieurwesen, der Informatik, der Geographie oder den Wirtschaftswissenschaften sagt jeder dritte Studienstarter wieder ade.
  • Das Einstellungsverhalten der Wirtschaft hat sich gewandelt. Es werden in den einzelnen Berufen immer höhere Ansprüche gestellt, die manche Schulabgänger aufgrund ihrer Zeugnisse oder ihrer Einstellungstest nicht mehr erfüllen. In vielen Fällen wird das Abitur als Grundlage für eine Ausbildung verlangt. Viele Berufe, die früher den Realschulabgängern noch offen standen, sind ihnen heute verschlossen, weil sie kein Abitur vorweisen können.
    Dreiviertel aller Hauptschulabgänger finden keinen Ausbildungsplatz mehr.
  • Das Elternverhalten hat sich gewandelt. Da die Eltern wissen, dass heutzutage nur das Abitur alle Chancen für eine Berufsausbildung eröffnet, wollen sie auch für ihre Kinder eine Schulform, die zum Abitur führt. Die Hauptschule lehnen sie inzwischen fast gänzlich ab und die Realschule bietet ihnen zuwenig.
  • Das Schulsystem wurde in kurzer Zeit umgekrempelt. Da die Hauptschule ein Imageproblem hat, schafft man sie ab und ersetzt sie durch die Sekundarschule. Realschulen werden ebenfalls aufgelöst und in Sekundarschulen verwandelt. Gemeinschaftsschulen und PRIMUS-Schulen werden als Versuchsschulen eingerichtet.
  • Es werden "Schulformen des gemeinsamen längeren Lernens" propagiert, die das dreigliedrige Schulsystem ersetzen sollen.
  • Es wird das Turbo-Abitur nach 12 Jahren eingeführt, wobei das Gymnasium eine von den anderen Schulformen abweichende Sekundarstufe I mit den Klassen 5-9 erhält. Die anderen Schulformen bleiben bei den Klassen 5-10.

Weitere Details finden Sie auf meiner Sonderseite mit Zahlen und Daten aus den europäischen Nachbarländern.

Die Misere des deutschen Bildungssystems stellt Heino Streier sehr gut in seinem "Klartext"-Kommentar dar:

Bildungsskandal

Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Jeder zweite Hauptschüler findet auch nach einem Jahr Suche keine Lehrstelle. Nach zweieinhalb Jahren sind immer noch vier von zehn Hauptschulabsolventen auf der Suche - danach verschwinden diese Jugendlichen aus der Bildungs-Statistik und tauchen in den Büchern der Arbeitsagentur wieder auf: als Hartz IV - Empfänger. Wer Glück hat, ergattert einen Minijob in der Videothek oder am Kühlregal im Supermarkt. Das ist kein Problem, das ist ein Skandal.

Denn die Hauptschulen waren doch angetreten, den Nachwuchs für die Unternehmen und die betriebliche Ausbildung bereit zustellen, für das Rückgrat unserer Wirtschaft. Aber das wohlfeile Konzept aus den 60er Jahren funktioniert längst nicht mehr. Wer etwa als Kraftfahrzeug-Mechatroniker oder in der Metall- und Elektroindustrie anfangen will, braucht sich als Hauptschüler gar nicht zu bewerben - die Betriebe verlangen Fachhochschulreife oder Abitur.

Das Problem sind nicht die Jugendlichen - die sind nicht zu doof. Das Problem sind auch nicht die Lehrer an den Hauptschulen - viele versuchen mit großem Einsatz das Beste für ihre Schüler. Das Problem ist die Hauptschule selbst . Sie ist die Resteschule, hier werden Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen- und aus Zuwandererfamilien verwahrt, bevor sie in Perspektivlosigkeit entlassen werden. Diese Kinder werden von unserem Bildungssystem ausgesondert, bevor ihr Leben wirklich losgeht.

Statt auf Bildung, Teilhabe und individuelle Förderung setzt unser Bildungssystem weiter auf Eliten und Auslese. Wir müssen endlich kleinere Klassen, individuelle Betreuung , intensiven Deutschunterricht, Nachhilfe für die, die es brauchen, Förderstufen und solidarisches Lernen an allen deutschen Schulen realisieren. Das wird viel Geld kosten, aber das müssen wir uns leisten. Es geht nicht nur um unsere Kinder, sondern auch um die Zukunft unserer Betriebe. Machen wir Schluss mit dem ideologischen Stellungskrieg um die Hauptschulen - schaffen wir sie ab.
(Heino Streier: "Klartext" im WDR 2 am 12.6.2008)

Schülerschwund

Im Schuljahr 2009/2010 besuchen 201525 Jungen und Mädchen in NRW eine Hauptschule - knapp 29 Prozent weniger als 2004/2005. Zum Vergleich: Es gibt fast 600000 Gymnasiasten.
Seit dem Schuljahr 2004/2005 ist die Zahl der Hauptschulen um 62 auf jetzt 671 gesunken; 336 davon sind Ganztagsschulen, sieben sind Privatschulen.
(Quelle Rheinische Post 20.4.2010)

Studie: Einbrechende Schülerzahlen
setzen Schulen unter Druck

DÜSSELDORF(RP) Der demographische Wandel wird nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung schon bald radikale Veränderungen im deutschen Schulwesen erzwingen. Bis zum Jahre 2025 wird demnach die Zahl der Sechs- bis 18-Jährigen von knapp 11 Millionen auf 9 Millionen zurückgehen. Durch den damit verbundenen massiven Rückgang der Schülerzahlen verlören auch in NRW in den kommenden Jahren viele Schulen die Zukunftsperspektive. Außerdem werde das dreigliedrige Schulsystem weiter unter Druck geraten. Die Hauptschule sei vom Aussterben bedroht. (Quelle: Rheinische Post 7.11.2009)
Ich verstehe nicht, dass die Politiker nicht begreifen wollen, dass wir es versäumt haben, in der Vorschulphase die schwächeren Kinder so zu fördern, dass sie in der Grundschule den Anschluss bekommen und nicht die sprachlich normal entwickelten Kinder in ihrem Lernzuwachs hemmen. Schließlich kann man doch im Kindergarten eindeutig feststellen, ob Sprachschwierigkeiten vorliegen. Diese müssen dann eben durch verpflichtende Förderprogramme behoben werden. Das kann doch nicht so schwierig sein.
Seit Jahren wird viel Geld in Reparaturprogramme für gescheiterte Hauptschüler gesteckt. Die Gelder müssten stattdessen in die Frühförderung und in den Vorschulbereich investiert werden.
Allerdings ist auch das deutsche Föderalismussystem nicht gerade unbeteiligt an diesem Dilemma.
Schüler sind in Deutschland seit Jahren Versuchskaninchen. Die deutsche Schullandschaft ist kaum zu überschauen und eine Katastrophe: Während in Berlin die sechsjährige Grundschulzeit gerade abgeschafft wurde, weil sich gezeigt hat, dass leistungsstarke Schüler deutlich unterfordert sind, führt gleichzeitig in Hamburg die Koalition von CDU und Grünen dieses Modell
wieder ein. Niedersachsen wiederum hat nach 20jähriger Erfahrung mit der sechsjährigen Grundschule beschlossen, die Kinder wieder nach dem 4. Schuljahr auf die weiterführenden Schulen zu schicken. Auch dort hat man festgestellt, dass die Bildungspotenziale unzureichend ausgeschöpft wurden und dass die Prognosesicherheit nicht wie erwartet erhöht werden konnte.

Der Trend geht derzeit überall zur Zusammenlegung von Hauptschulen und Realschulen - allerdings nicht aus pädagogischen, sondern aus demographischen Gründen - und zu einem längeren gemeinsamen Lernen.

Allerdings bleibt das Kernproblem: Wie sollen stark unterschiedlich leistungsfähige Kinder in einer Lerngruppe gefordert und gefördert werden?

Dazu braucht man gut ausgebildete und motivierte Lehrer, kleine Klassen und gute Unterrichtsbedingungen. Diese Voraussetzungen sollte man schaffen statt fehlerhafte Vergleiche mit Finnland als Super-PISA-Land anzustellen. Die deutschen Verhältnisse sind anders und nicht übertragbar. Sie sind ein einziger Bildungs-Dschungel, den Eltern gar nicht mehr durchschauen.

Hier der Wirrwarr im deutschen Schulwesen im Jahre 2011:

Baden-Württemberg
  • Gymnasium

  • Werkrealschule

  • Realschule

  • Hauptschule
    (Umbau zur Werkrealschule)

 

 

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 32% Gymnasiasten

  • 5,6% Abgänger ohne Abschluss

Bayern
  • Gymnasium

  • Realschule

  • Mittelschule

  • Hauptschule
     

 

 

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 32% Gymnasiasten

  • 6,4% Abgänger ohne Abschluss

Berlin
  • Schulsystem im Um-bruch;

  • Gymnasium

  • Realschule

  • Hauptschule, verbundene Haupt- und Realschule

  • Gesamtschule

  • Gemeinschaftsschule (als Schulversuch mit gemeinsamem Unterricht bis zur Klasse 10)

  • Grundschule 6 Jahre
     

  • 39% Gymnasiasten

  • 11,5% Abgänger ohne Abschluss

Brandenburg
  • Gymnasium

  • Oberschule (Klasse 7-10, Orientierungsstufe in 7 und 8 möglich)

  • Gesamtschule




     

  • Grundschule 6 Jahre
     

  • 41% Gymnasiasten

  • 13% Abgänger ohne Abschluss

Bremen
  • Schulsystem im Umbruch

  • Gymnasium

  • Gesamtschule

  • Oberschule (ersetzt Haupt- und Realschule; in 9 und 10 Bildung von Haupt- und Realschulklassen)

  • Grundschule 4 oder 6 Jahre
     

  • 38% Gymnasiasten

  • 8,4% Abgänger ohne Abschluss

Hessen
  • Gymnasium

  • Realschule

  • Hauptschule

  • Gesamtschule (integriert und kooperativ)


     

  • Grundschule 4 Jahre

     

  • 40% Gymnasiasten

  • 7,0% Abgänger ohne Abschluss

Hamburg
  • Die Schullandschaft ist im Umbruch; demnächst nur noch:

  • Gymnasium

  • Stadtteilschule (als integrierte Haupt- und Realschule; evtl. mit gymnasialer Oberstufe)

  • Grundschule 4 Jahre
    (6jährig im Volksentscheid gescheitert)

    42% Gymnasiasten

  • 8,7% Abgänger ohne Abschluss

Mecklenburg-Vorpommern
  • Gymnasium (Klasse 7-12)

  • Regionalschule (Klasse 5-10)

  • Gesamtschule (Klasse 5-12)
     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 42% Gymnasiasten

  • 16,8% Abgänger ohne Abschluss

Niedersachsen
  • Gymnasium

  • Realschule

  • Hauptschule

  • Gesamtschule



     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 36% Gymnasiasten

  • 7,3% Abgänger ohne Abschluss

Nordrhein-Westfalen
  • Gymnasium

  • Realschule

  • Hauptschule

  • Gesamtschule

  • Gemeinschaftsschule

  • Sekundarschule

     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 34% Gymnasiasten

  • 6,9% Abgänger ohne Abschluss

Rheinland-Pfalz
  • Gymnasium

  • Realschule

  • Hauptschule

  • Gesamtschule

  • Regionale Schule (Klasse 5-10)

  • Realschule Plus
     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 35% Gymnasiasten

  • 7,1% Abgänger ohne Abschluss

Saarland
  • Gymnasium

  • Erweiterte Realschule (Klasse 5 - 6  Orientierungsstufe, danach Haupt- und Realschulklassen)

  • Gesamtschule

     

  • Grundschule 4 Jahre
    geplant: 5 Jahre

  • 34% Gymnasiasten

  • 6,6% Abgänger ohne Abschluss

Sachsen
  • Gymnasium

  • Mittelschule (Klasse 5 - 6 Orientierungsstufe, danach Hauptschul- oder Realschulbildungsgang oder Wechsel zum Gymnasium)




     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 38% Gymnasiasten

  • 11,1% Abgänger ohne Abschluss

Sachsen-Anhalt
  • Gymnasium

  • Gesamtschule

  • Gemeinschaftsschule

  • Sekundarschule (Klasse 5 - 6 Orientierungsstufe, danach Hauptschul- oder Realschulbildungsgang)

     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 40% Gymnasiasten

  • 14,9% Abgänger ohne Abschluss

Schleswig-Holstein
  • Gymnasium

  • Regionalschule (Klasse 5 - 6 Orientierungsstufe, danach Hauptschul- oder Realschulbildungsgang)

  • Gemeinschaftsschule (gemeinsamer Unterricht bis zur Klasse 10)

     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 31% Gymnasiasten

  • 8,3% Abgänger ohne Abschluss

Thüringen
  • Gymnasium

  • Regelschule (Klasse 5-10, Orientierungsstufe in 5 und 6, danach Hauptschul- oder Realschulabschluss)

  • Gesamtschule



     

  • Grundschule 4 Jahre
     

  • 41% Gymnasiasten

  • 8,9% Abgänger ohne Abschluss

(Tabelle erstellt nach Daten von Der Spiegel 27/2010. In der Tabelle wird der Anteil der Gymnasiasten aufgeführt, der sich im 8. Schuljahr befindet. Dadurch wird die Übergangsquote nach dem 4. oder 6. Schuljahr relativiert, da anschließend noch viele die falsche Schulformentscheidung korrigieren. Bei den Abgängern ohne Schulabschluss handelt es sich um den Prozentsatz der Gleichaltrigen.)

3. Vorschläge für ein neues Schulsystem

Die nachfolgenden Ausführungen habe ich seit 2003 auf dieser Webseite, aber die Schulpolitik ist träge. Im November 2010 fand eine Expertenbefragung im Landtag statt, die wiederum die kontroversen Standpunkte darlegte. Während die rot-grüne Landesregierung das längere gemeinsame Lernen und die Gemeinschaftsschule zum Ziel erklärten, stellten viele Fachleute die positive Wirkung in Frage.

Damit in Zukunft alle derartigen Verzerrungen vermieden werden, ist ein neues Schulsystem in der Sekundarstufe I erforderlich. Dieses muss so strukturiert sein, dass die eingangs genannten Faktoren korrigiert werden und Deutschland innerhalb des globalen Wettbewerbs wieder konkurrenzfähig wird.
Die Lehrerverbände, Parteien und Gewerkschaften haben in der Vergangenheit viele Vorschläge gemacht, die teilweise sinnvoll waren, teilweise aber politisch nicht durchsetzbar waren. Das ist auch jetzt wieder der Fall. Vielleicht ergibt sich jedoch durch den PISA-Schock eine neue Situation und bessere Einsicht.

a) Das eingliedrige Schulsystem

Die GEW schlägt ein eingliedriges Schulsystem vor, bei dem die Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse zusammen bleiben. Dieser Form liegt die Überlegung zugrunde, dass eine möglichst lange integrative Schulzeit einer frühen Selektion überlegen ist. Die Ergebnisse der PISA-Studien untermauern diese These. Im Prinzip ist das auch richtig, allerdings wissen wir aber aus dem Schulalltag, dass dann ein Höchstmaß an Binnendifferenzierung erforderlich ist, um die individuellen Talente entsprechend zu fördern. Alle Grundschullehrer wissen, dass intelligente und leistungsstarke Kinder einen unbändigen Wissensdurst haben. Sie wissen aber auch, wie viel Zeit und unendliche Geduld die langsam Lernenden benötigen. Und diese Schere zwischen diesen beiden Extremen klafft immer stärker auseinander, je älter die Kinder werden.
Wie lange die Kinder im Primarbereich zusammenbleiben sollen, darüber ist man sich noch nicht einig. 4 Jahre? 6 Jahre? 8 Jahre? Einig ist man sich allerdings über die Notwendigkeit einer Vorklasse oder "Starterklasse" vor dem 1. Schuljahr. Inzwischen haben nämlich alle eingesehen, dass man zum erfolgreichen Lernen in der Schule wenigstens die deutsche Sprache beherrschen muss.
Ungeklärt ist auch, was mit den Lernschwachen und den Schülerinnen und Schülern mit großen Erziehungsdefiziten im Sekundarbereich geschehen soll. Die SPD will sie alle integrieren und die Sonderschulen abschaffen. Sie führt die Erfolge der Integrationsklassen an, die in NRW als Schulversuche laufen. In Wahrheit sind die aber gar nicht so erfolgreich, wenn man hinter die Kulissen schaut. Denn oft ziehen die integrierten Lernschwachen oder Erziehungsschwachen gewaltig das Niveau der Klasse herunter, sodass im Endeffekt die Sonderschüler zwar bessere Leistungen und Abschlüsse erzielen, diese aber im Gesamtniveau sehr schwach sind.
Außerdem wissen wir aus Erfahrung, dass manche Kinder einfach nicht zu integrieren sind. Hier müsste also ein sehr differenziertes Förderkonzept eingesetzt werden.
Die Grünen wollen auch einen gemeinsamen Unterricht bis zur Klasse 10. Sie haben zwar noch kein differenziertes Konzept vorgelegt, sehen darin jedoch einen Ausweg aus der PISA-Krise. Sie fordern allerdings den Ausbau des gemeinsamen Unterrichts für sonderpädagogisch zu betreuende Kinder.  Nach ihrer Ansicht sollen die Eltern entscheiden können, ob ihr sonderpädagogisch zu betreuendes Kind in einer Sonderschule oder in einer allgemein bildenden Schule gefördert werden soll. Das ist deutlich realistischer als das Konzept der SPD, die alle diese Kinder im normalen Schulsystem integrieren will.
Interessant ist auch ein Positionspapier der Schulleitervereinigung der Gesamtschulen in NRW vom 2.5. 2003, das die Defizite des derzeitigen Bildungssystems kennzeichnet und als Lösung die "Klasse Eins bis Neun" vorschlägt. Damit ist ein geschickter Verkürzungsvorschlag der Schulzeit verbunden, der sich nicht wie bei den Bildungspolitikern auf eine Verkürzung der Oberstufe, sondern der Sekundarstufe I bezieht. Die Punkte sind einer Überlegung wert, allerdings durch die politische Entscheidung für das Abitur nach 12 Jahren überholt worden. Ich habe das Positionspapier auf meiner Downloadseite unter dem Namen slvge.doc im WORD-Format zum Herunterladen bereitgestellt.
 

b) Das zweigliedrige Schulsystem

Die SPD schlägt ein zweigliedriges Schulsystem vor. Das Gymnasium soll wie bisher bestehen bleiben und daneben soll eine Sekundarschule entstehen, die sämtliche anderen Schülerinnen und Schüler der bisherigen Schulformen unter einem Dach integriert. Auch die Sonderschulen sollen darin eingebaut werden. Diesem Vorschlag liegt die Überlegung zugrunde, dass nach den PISA-Ergebnissen ein integriertes System bessere Leistungen erbringt. Außerdem könnte man wesentlich kostengünstiger arbeiten, wenn man die Sonderschulen auflöst und die Oberstufen der Gesamtschulen entfernt. Es würden dann nämlich Oberstufenzentren entstehen, die die Schülerinnen und Schüler nach Abschluss der Sekundarstufe I gemeinsam besuchen würden. Diese Oberstufenzentren dürften aber wahrscheinlich kaum an einem Gesamtschulstandort angesiedelt sein. Das Gymnasium und mit ihm der Philologenverband sieht einer solchen Entwicklung natürlich gelassen entgegen. Sie glauben einfach, dass die Eltern ihre Kinder wie bisher zunächst auf der "besseren" Schulform ihre Kinder anmelden werden; und damit bliebe wie bisher alles beim Alten. Dem Realschullehrerverband gefällt ein solcher Vorschlag gar nicht, weil dann alle Vorteile des bisherigen Systems verschwunden sind. Der Gesamtschule passt dieses System auch nicht, weil sie erkennt, dass dann ihre Oberstufe verschwunden ist.  Dem VBE gefällt eine solche Lösung, weil damit die Hauptschule endlich aus dem negativen Nimbus der "Restschule" herauskommt und die dort unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer endlich wieder Erfolgserlebnisse haben.
Alle haben natürlich das Problem mit der Integration der Sonderschule. Ich glaube auch nicht, dass dies so einfach zu lösen sein wird. Meiner Meinung nach ist die SPD damit auf einem Irrweg. Das Eckpunkte-Papier der SPD können Sie auch von meiner Downloadseite unter spd-eckp.pdf herunterladen.
Inzwischen ist aber auch die SPD von ihrem damaligen Konzept abgewichen und hat auf ihrem Bildungsparteitag in Bochum 2007 ein neues Konzept beschlossen, das im Falle eines Wahlsiegs im Jahre 2010 umgesetzt werden soll.. Kernpunkt ist die Einführung einer Gemeinschaftsschule, die das dreigliedrige System ablösen soll. Allerdings gilt das auch nur für die Klassen 5 und 6, weil ab Klasse 7 die Differenzierung einsetzen soll. Das Konzept ist noch unausgegoren. Mal sehen, was daraus wird.
Immerhin ist die Gemeinschaftsschule als Versuchsschule gestartet, sodass ab 2011 etwa 19 Schulen in dieser Art entstehen werden.

c) Das dreigliedrige Schulsystem

Die CDU vertritt einen anderen Weg. Sie wollte jahrelang das Gymnasium und die Realschule bestehen lassen und die Hauptschule mit der Gesamtschule zusammenlegen. Diese neue Schule sollte dann "Aufbauschule" heißen. Der Grundgedanke lag darin, dass die Hauptschule als "Restschule" und auch die Gesamtschule verschwinden sollten. Dieser Vorschlag wurde vom Gymnasium und vom Philologenverband akzeptiert, weil es die Schulform Gymnasium nicht berührte. Vom Realschullehrerverband aus den gleichen Gründen auch. Dem VBE gefiel das weniger, weil diese neue Schulform dann schnell zu einer neuen "Restschule" verkümmern würde. Die Gesamtschule sah das auch so.
Die CDU machte sich allerdings keine Gedanken über eine Integration der Sonderschule. Sie wollte sie so bestehen lassen, wie sie war. Was vielleicht auch vernünftig ist, weil sie sich nicht so einfach integrieren lässt wie sich die SPD und die Grünen das vorstellen.
Natürlich überlegte sich die CDU auch, was politisch durchsetzbar ist. Ich glaube nämlich nicht, dass sich ein eingliedriges Schulsystem so einfach installieren lässt, weil man das Gymnasium, das in den Jahrhunderten als Schulform gewachsen ist und sich für die studienbezogene Bildung bewährt hat, nicht so einfach eliminieren kann. Ähnliches gilt auch für die Realschule, die sich für die mittleren Abschlüsse bewährt hat und noch heute eine hohe Akzeptanz bei den Eltern gefunden hat.
Alles änderte sich aber schlagartig im Jahre 2010, als die rot-grüne Koalition die gelb-schwarze Regierung ablöste und begann, die Gemeinschaftsschule als ihr Konzept von 2007 durchzusetzen. Der demographische Wandel war nicht mehr wegzudenken und der Schülerrückgang so offensichtlich, dass auch die CDU über pragmatische Lösungen nachdenken musste. Außerdem wollen die Eltern die Hauptschule offensichtlich nicht mehr, und die CDU begriff es endlich.
So entwickelte die CDU ein neues Konzept und verabschiedete im März 2011 auf dem Parteitag in Siegen ihre neuen schulpolitischen Leitlinien, die Sie im Downloadbereich unter dem Namen CDU-Bildung2011.pdf finden.

Neben diesen Parteivorschlägen haben die Gewerkschaften und Verbände natürlich auch noch eigene Vorstellungen. Der VBE vertritt ein Zwei-Säulen-Modell und versucht, die Hauptschullehrer nicht untergehen zu lassen, weil in diesem Bereich ein großer Teil seiner Mitglieder arbeiten. Ich denke, man sollte in der Tat nicht nur von dem viergliedrigen Schulsystem, sondern auch davon konsequent Abschied nehmen. Die GEW hat das bereits getan, der Philologenverband hielt es nicht für nötig, weil er annimmt, dass doch keiner am Gymnasium vorbeikommt. Die Lobby der Eltern für das Gymnasium ist so groß, dass seiner Meinung nach keine Notwendigkeit einer Veränderung besteht.

Mein Vorschlag: 

Vielleicht sollte man den Mut haben, Schule neu zu denken und einen neuen Vorschlag machen. Als ich den Zukunftsbericht NRW 2015 gelesen hatte, der im März 2004 veröffentlicht wurde, habe ich mir deshalb eine neue Schule vorgestellt. Hier ist sie:

Eine Schule für Alle

Präambel:
PISA und andere Untersuchungen haben gezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich der Schulleistungen am unteren Rand der vergleichbaren Länder zu finden ist. Das gesamte Schulsystem ist in den letzten Jahren ins Gerede gekommen, weil sich gezeigt hat, dass die erbrachten Leistungen nicht den Investitionen und Erwartungen entsprechen. Die Gründe sind vielfältiger Natur, liegen aber hauptsächlich darin, dass in den einzelnen Schulformen die ursprünglich erwartete Schülerpopulation nicht erreicht wird. Weder die Gymnasien erhalten die Schüler, die sie sich wünschen, noch die Realschulen, Gesamtschulen oder Hauptschulen. In den Gesamtschulen zeigt sich, dass leistungsfähige Schüler nicht genug gefordert werden und leistungsschwache nicht genug gefördert werden.

Der Ansatzpunkt:
Einig sind sich alle Experten darüber, dass die Leistungsfähigkeit der Schule verbessert werden kann, wenn man das viergliedrige System aufgibt und den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt, sich möglichst lange gemeinsam zu entwickeln, ohne eine frühzeitige Selektion zu erzwingen. Außerdem hat in Deutschland die soziale Herkunft für den Schulerfolg immer noch einen zu großen Einfluss.
Beide Faktoren bedingen eine Neuorientierung.
Da Bildung und Ausbildung Ländersache sind, kommt man an der politischen Situation in NRW nicht vorbei. Unser Land ist ein Industrieland mit einer hohen Ausländerquote. Diese wird sich weiter erhöhen, weil die Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung zu gering ist. Außerdem ergibt sich durch die Globalisierung und die EU-Osterweiterung eine weitere Vermischung unserer Kinder mit denen der Nachbarvölker. Das ist ein weiterer Faktor, der nicht wegzudiskutieren ist.
Wir wissen alle, dass wir nur überleben können, wenn unsere Wirtschaft qualifizierte Nachwuchskräfte mit einem hohen Bildungsstandard bekommt, die den Standort Deutschland mit Industrieprodukten von hohem Niveau sichert. Wir können weder Schulschwänzer, noch Leistungsverweigerer oder unzureichend ausgebildete Studienanfänger gebrauchen. Wir können es uns aber auch nicht leisten, ausländische Talente brach liegen zu lassen.
Wenn wir also einen Neuanfang wagen wollen, brauchen wir eine Schule für alle Kinder, so unterschiedlich sie auch sein mögen.
Wir brauchen aber auch einen Neuanfang, der gleichzeitig die Mängel des bisherigen Systems behebt. Weiter oben habe ich diese Mängel bereits dargestellt.

Die Entwicklung des Konzepts:
In den vergangenen beiden Jahren sind mehrere Versuche unternommen worden, die Schulstrukturdebatte in NRW neu aufzunehmen. Die SPD hatte im Frühjahr 2003 mit einem bildungspolitischen Eckpunktepapier zur Diskussion aufgerufen, diese aber leider kurz darauf abgebrochen. Übrig geblieben ist nur der Leitantrag des Landesvorstandes zum außerordentlichen Parteitag am 14.6. 2003, der deutlich abgeschwächt ist. Der Parteitag hat dann auch nichts Neues gebracht, weil keine durchgreifenden Änderungen beschlossen wurden. Vor einer endgültigen Entscheidung soll noch ein ausführlicher Dialog geführt werden. Offensichtlich wird der auch geführt, denn Minister Steinbrück hat auf der GEW-Tagung im März 2004 in Bochum einen neuen Vorstoß gewagt. Er trat stark für den Umbau des Schulsystems zu einer integrativen Schule ein. Ob er sich damit durchsetzt, sei dahingestellt. Zumindest zeigt es aber, dass unterschwellig die Diskussion noch im Gang ist.

Die Chancen für eine neuerliche Schulstrukturdebatte sind eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man gewillt ist, einmal politische Ideologien beiseite zu lassen und Vorurteile zu überwinden. Das ist leichter, wenn man die negativ beladenen Begriffe nicht mehr verwendet, weil sich alle sofort angegriffen fühlen, wenn irgendwo das Schlagwort „Gesamtschule“ oder „Sekundarschule“ fällt. Also lasse ich sie in meinem Gedankenmodell auch erstmal alle weg.
Ich versuche auch, die von der CDU oder den Grünen, der SPD oder der GEW vorgeschlagenen Kompromisse zu vermeiden. Notwendig ist nämlich eine Struktur, die Akzeptanz finden kann, weil sie klar, einfach und durchschaubar ist.

Allerdings berücksichtige ich bei meinem Vorschlag einige realpolitische Faktoren, die sich durchgesetzt haben, weil sie gesellschaftspolitisch gewünscht sind: 

  • Verkürzung der Schulzeit: Abitur nach 12 Jahren

  • Ganztagsschule

  • Bildungsstandards

  • Kernkompetenzen

  • Mehr Selbständigkeit der einzelnen Schulen

  • Qualitätsvergleich der Schulen untereinander

  • Andere Lehrerausbildung

  • Anderer Status der Lehrer

  • Erhöhung der Anwesenheitszeit der Lehrkräfte in der Schule

  • Vorschulförderung

  • Flexible Eingangsphase

Darin sind sich nämlich alle Parteien einig, die Unterschiede sind nur geringfügig.

Die Vision:
Die in PISA und anderen Untersuchungen aufgetretenen Schwächen sowie die oben erwähnten Mängel könnten vermieden werden, wenn die Kinder schon sehr früh in eine vorschulische Förderung eingebettet würden. Der Zukunftsrat NRW 2015 setzt sich deshalb für die Einrichtung von Kindertagesstätten ein, die die bisherigen Kindergärten ablösen sollen. Bereits Dreijährige können hier von fachlich gut ausgebildeten Vorschulpädagogen im Ganztagsbetrieb betreut und gefördert werden. Diese Lehrkräfte wären aufgrund einer geänderten Lehrerausbildung in der Lage, Defizite der Kinder in verschiedenen Bereich genau zu diagnostizieren und geeignete Fördermöglichkeiten zu entwickeln. Wenn dieses System kostenfrei ist, würden auch bildungsferne Gesellschaftsschichten früh eingebunden und eine nachteilige Entwicklungsverzögerung der Kinder vermieden. Sprachliche Förderung in der Muttersprache und in Deutsch wären die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Einschulung.
Diesem Vorschlag schließe ich mich an.
Die Kinder werden sich in der Kindertagesstätte mehr oder weniger schnell entwickeln und erste Talente entfalten. Sie werden beobachtet, gefördert und beschrieben. Ein qualifizierter Bericht entsteht schließlich als Grundlage für die Feststellung der Schuleignung. Das kann mit 5 oder 6 Jahren der Fall sein.

Der bedeutsame neue Ansatz ist nun folgender:
Die Schule, in die die Kinder kommen, ist die Schule für Alle. Ich schreibe „alle“ bewusst groß, weil es ein besonderer Teil des neuen Schulnamens sein soll. Diese Schule dauert vom 1. bis 10. Schuljahr und nimmt zunächst alle die Kinder aus der Vorschule auf, die einen positiven Entwicklungsbericht mitbringen, der das erfolgreiche Lernen in der Gruppe sowie die notwendigen geistigen, sprachlichen und körperlichen Bedingungen bestätigt. Hiermit ist die Eingangsqualifikation definiert: Nachweis der Schulfähigkeit in Form eines Entwicklungsberichts. Natürlich werden auch einige Kinder dabei sein, die behindert oder verhaltensgestört sind. Man wird sich also fragen, wie diese Kinder in einer Gruppe lernen, deren Entwicklungsbericht positiv ist, während sie selbst Defizite haben. Das bedeutet, dass nunmehr nicht die Schule eine „Schublade ist“, in die alle gleichermaßen hineingepresst werden, sondern es wird gewissermaßen für jedes Kind eine eigene „Schublade“ gezimmert. Diese Schublade ist ein individuelles Entwicklungskonzept, das für jedes Kind nun hergestellt wird. Es enthält besondere Förder- und Leistungsvorschläge und ein Kerncurriculum, das für dieses Kind als Ziel erreicht werden soll. Es werden also für das erste Schuljahr bestimmte Kernkompetenzen definiert, die am Schluss vorhanden sein sollen. Im Laufe des Schuljahres erkennt man, welche Teile davon jedes Kind spielend leicht erreicht, welche es aber nur teilweise oder vielleicht gar nicht erreichen wird. Daraus entwickelt die Lehrerin oder der Lehrer ein Förderkonzept. Jedes Vierteljahr wird eine Miniklausur in mündlicher oder schriftlicher Form veranstaltet, die einen Leistungsnachweis darstellt, an dem man erkennen kann, ob die angestrebten Ziele erreicht worden sind. Das erfordert ein hohes Maß an Binnendifferenzierung, ist aber unumgänglich, wenn man das Kind mit seiner individuellen Lernentwicklung in den Mittelpunkt setzt und ein Schulsystem vermeiden will, das einfach wie eine Haube darüber gestülpt wird. Die starke Individualisierung bedingt allerdings wesentlich kleinere Klassen – ich bin der Meinung, dass die Schülerzahl 20 nicht überschreiten darf. Es bedingt natürlich auch ein starkes Umdenken in der Unterrichtsführung. Selbstverständlich ist auch, dass die Schule im Ganztagsbetrieb abläuft und dass der Klassenlehrer oder Fachlehrer mit seinen Lerngruppen die Hausaufgaben erledigt und gegebenenfalls Nachhilfe erteilt.

Obwohl fremdsprachliche Elemente im Unterricht durchaus früher erscheinen, wird Englisch als 1. Fremdsprache im 3. Schuljahr Pflicht. Diese jetzt eingeführte Neuerung kann durchaus akzeptiert werden. Es kann durchaus auch akzeptiert werden, dass Englisch demnächst vom 1. Schuljahr ab unterrichtet wird. Ebenso könnten die restlichen Lehrpläne der ersten vier Klassen wie bisher im Prinzip bestehen bleiben. Sie müssten nur angeglichen werden. Man kann von dem angestrebten System der Kernlehrpläne ausgehen.
Nach dem vierten Schuljahr entfällt die Entscheidung für eine weiterführende Schule, da alles kontinuierlich weiterläuft.
Eine weitere Fremdsprache kommt im 5. Schuljahr hinzu. Dazu der Fächerkanon, der bisher auch schon in der Sekundarstufe I ergänzt wird. Ich halte zunächst an ihm fest, bin aber der Meinung, dass er entschlackt und angeglichen werden muss. Ich weiß nämlich nicht, ob man in einer technisch-naturwissenschaftlich geprägten Industriegesellschaft dem Fach Technik so wenig Stellenwert geben kann, wie das jetzt geschieht. Oder ob Naturwissenschaften integriert unterrichtet werden können, ohne dass die Lehrer eine entsprechende Ausbildung haben. Das sind Sünden, die nicht begangen werden dürfen. Weiterhin müssen die Lehrpläne aus einem Guss sein.

Da sich die Lerngeschwindigkeit der einzelnen Schülerinnen und Schüler aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung stark ändern wird, werden Lerngruppen eingerichtet, in denen die Kinder zusammengefasst werden, die ähnliche Kompetenzziele anstreben: 

Leistungsgruppe (LG)

Standardgruppe (SG)

Basisgruppe (BG)

In dieser Lerngruppe werden die Schülerinnen und Schüler zusammengefasst, für die aufgrund ihrer bisherigen Lernentwicklung hohe Kompetenzziele vorgegeben werden können.

In der Standardgruppe können die Schülerinnen und Schüler zusammengefasst werden, für die die Mindeststandards definiert wurden, die für die Erreichung eines mittleren Bildungsstandards nach KMK-Beschlüssen erforderlich sind.

Die Basisgruppe wird von Kindern besucht, für die Minimalkompetenzen definiert wurden. Eventuell müssen aus dieser Gruppe noch Fördergruppen ausgegliedert werden, um spezielle Defizite kurzzeitig auszugleichen.

Jedes Kind wird also seine anfangs festgesetzten Kompetenzziele in unterschiedlichen Gruppen zu unterschiedlicher Zeit erreichen. Natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Unterrichtsform, denn in den Leistungsgruppen wird man oft nur Material bereitstellen müssen und leichte Denkanstöße geben, während in der Basisgruppe stark strukturierte Hilfen und dauernde Lernmotivationen erforderlich sein werden.
Für die Versetzung in die nächste Klasse sind die erfolgreichen Miniklausuren Bedingung, die jedes Vierteljahr in mündlicher oder schriftlicher Form absolviert werden müssen. Am Ende des Schuljahres gibt es Zertifikate über den Besuch der Lerngruppen. Diese dienen zur Einstufung für das nächste Schuljahr. Sie sind auch die Grundlage für einen Wechsel der Lerngruppen. Im 7. Schuljahr sind standardisierte Vergleichsarbeiten erforderlich, um ein vergleichbares Leistungsniveau einzuhalten.
Die Versetzung möchte ich beibehalten, weil ich erkannt habe, dass immer ein gewisses Anspruchsniveau vorhanden sein muss, das den Anreiz zum Weiterlernen forciert. Außerdem müssen Hürden in unterschiedlicher Stärke da sein, um Schwierigkeiten meistern zu lernen. 12 Jahre als Gesamtschullehrer haben mich erkennen lassen, dass dies notwendig ist.
Profilbildungen der einzelnen Schulen müssen möglich sein. In ähnlicher Weise, wie jetzt eine Vielfalt von sprachlichen, musischen oder mathematischen Differenzierungen vorhanden sind, sollte auch das zukünftige Angebot für den Bürger so gut sein, dass er seine Kinder nicht in den Nachbarort fahren lassen muss, weil das Angebot am Ort zu dürftig ist. Gerade die Schule für Alle braucht nicht besonders groß zu sein; sie muss aber alle Kernkompetenzen vermitteln, die für einen jungen Menschen zum Zurechtfinden in der heutigen Gesellschaft erforderlich sind.
Nach Klasse 8 könnte auch eine Profilbildung einsetzen, die einerseits zum Studium (S), andererseits zum Beruf (B) führen würde: Schüler mit mindestens 3 LG-Zertifikaten und dem Ziel einer Fachoberschulreife mit Qualifikation würden in Klassen mit einem S-Profil zusammengefasst, während die Schüler mit SG-Zertifikaten in ein B-Profil mit dem Ziel der Berufsausbildung wechseln würden. Das S-Profil könnte eine weitere Fremdsprache enthalten, das B-Profil mehr Arbeitslehre-Anteile. Ein System des Ausgleichs, das noch in 9 oder 10 einen Wechsel möglich macht, wenn Entwicklungsschübe einsetzen, ist leicht zu konstruieren. Das System wird fortgeführt bis zum 10. Schuljahr, in dem der Abschluss erreicht wird. Er richtet sich nach der Zahl und der Qualität der erreichten Kompetenzziele in den einzelnen Lerngruppen und wird gebunden an standardisierte Vergleichsklausuren. Für die Abschlussvergabe kann neben den Ergebnissen der Tests ein Punktsystem eingesetzt werden, wobei eine Vergleichbarkeit der Leistungsgruppen, Standardgruppen und Basisgruppen wie es bisher in der Gesamtschule mit E- und G-Kursen üblich ist, incl. einiger Ausgleichsregelungen angewendet werden kann.
Wenn man will, kann man die bisherigen Abschlüsse (Fachoberschulreife mit Qualifikation, Fachoberschulreife und Sekundarabschluss ) bestehen lassen.

Nach der Sekundarschule würden die Schüler in die Kollegschule gehen. Je nach Abschluss würde diese über ein Studienkolleg zum Abitur nach 12 Jahren oder über ein Berufskolleg zum Beruf führen. Dabei würden eindeutig definierte Leistungsstandards die Abschlussprüfung bestimmen. Wechselmöglichkeiten und Zwischenabschlüsse könnten wie bisher bestehen bleiben. Aber auch hier würden klar die Inhalte des S-Profils und des B-Profils zum Tragen kommen.
Folgende Abschlussziele werden angestrebt: 

Studienkolleg - fähig

Berufskolleg - fähig

Berufsfähig

Noch nicht berufsfähig

Mit dem Zeugnis erhalten die Schülerinnen und Schüler die Befähigung für die Oberstufe oder für den Beruf. Wenn die Qualifikationen nicht erreicht wurden, muss überlegt werden, ob durch Förderkurse fehlende Kompetenzen ergänzt werden können, die die Eingliederung in das Berufsleben ermöglichen.
Die Kernkompetenzen müssen ein Profil beschreiben, das zur Berufsfähigkeit führt und als Basis für die Anforderungen der modernen Industriegesellschaft brauchbar ist.

Die Oberstufe dauert zwei Jahre und führt zum Abitur, das am Studienkolleg oder Berufskolleg abgelegt werden kann. Das Studienkolleg ist die bisherige gymnasiale Oberstufe und nimmt alle diejenigen Schülerinnen und Schüler auf, die aufgrund ihrer Qualifikation ein Studium an einer Hochschule anstreben. Ziel des Studienkollegs ist die Studierfähigkeit; deshalb sind auch die Inhalte so ausgerichtet, dass die entsprechenden fachbezogenen und bereichsübergreifenden Kompetenzen vermittelt werden. Das Kurssystem der Oberstufe kann bestehen bleiben, da die Schülerinnen und Schüler das System schon von den Leistungsgruppen und Standardgruppen kennen.

Die Kompetenzfelder richten sich nach den bisherigen Lernbereichen; allerdings sollten Technik und Informatik zum Pflichtbereich gehören:

Mathematisch - naturwiss.
Kompetenzbereich

Künstlerisch - musischer
Kompetenzbereich

Literarisch – sprachlicher
Kompetenzbereich

M, PH, CH, BI

KU, MU, TX, SP

D, E, F, T, (oder andere, je nach Profil der Schule)

(zwei davon als Pflichtbindung)

(zwei davon als Pflichtbindung)

(D und zwei Fremdsprachen  als Pflichtbindung)

 

Philosophisch – ethischer
Kompetenzbereich

Geopolitischer
Kompetenzbereich

Technisch - wirtschaftlicher
Kompetenzbereich

PL, PA, PS, KR (oder ER oder Islam)

SW, GE, EK, PK

TC, IF, WW, HW

(zwei davon Pflichtbindung)

( zwei davon Pflichtbindung)

(zwei davon Pflichtbindung)

Wer als Schüler in der Sekundarstufe I überwiegend Basiskurse und Standardkurse besucht hat, wird Schwierigkeiten haben, das Abitur in zwei Jahren zu schaffen. Deshalb sollte es möglich sein, manche Kurse zu wiederholen und die Prüfung erst nach drei Jahren abzulegen.
Die Oberstufe am Berufskolleg ist stärker fachbezogen. Ihr Ziel ist die Studierfähigkeit an einer Fachhochschule. Die bestehenden Strukturen können auch hier weitgehend erhalten bleiben.

Die Lehrerausbildung
Die Lehrerausbildung muss sich natürlich ändern. Durch den notwendig werdenden Vorschulpädagogen in der Kindertagesstätte muss der bisherige Beruf des Erziehers ersetzt werden. Es kommt stattdessen eine Vorbildung an der Fachhochschule oder Universität in Frage, die entsprechende diagnostische Kompetenzen ausbildet und dafür sorgt, dass der Vorschulpädagoge sprachliche und verhaltensauffällige Defizite ausgleichen kann. Neben dem Vorschullehrer können natürlich durchaus weitere Personen ( Sozialpädagogen, Erzieher) aus den bisherigen Ausbildungsgängen weiterbeschäftigt werden.
Die Schule für Alle mit den Klassen 1 bis 10 braucht Pädagogen mit hohen diagnostischen Fähigkeiten. Die Erstellung von individuellen Kompetenzplänen und der Aufbau von Lernmotivation sind weitere wichtige Bereiche; auch sie müssen grundgelegt werden. Die Lerngruppen erfordern Lehrertypen, die außer fachlichem und pädagogischem Engagement ein hohes Maß an Organisationsvermögen verfügen, denn die Steuerung von Lernprozessen ist eine wichtige Voraussetzung für das selbstorganisierte Lernen und eigenständiges Arbeiten. Und daran mangelt es schließlich den deutschen Schulen.
Die fachliche Ausbildung kann durchaus bestehen bleiben.
Als Kostendämpfungsfaktor würde ich im Übrigen ein dreimonatiges Praktikum in die Lehrerausbildung integrieren. In dieser Zeit müssten die Studenten in die Schulen und nicht nur ein Unterrichtspraktikum ableisten, sondern auch im Ganztagsbereich mitarbeiten und Nachhilfestunden in Fördergruppen erteilen. Damit könnte der Stellenplan der Schulen kräftig entlastet werden.

Mein Modellvorschlag für die Schule für alle:

Alter

Lernort

Klasse
   Bemerkungen

 

Universität

Fachhochschule

 

 

 

 

 

 

Ziel: Studierfähigkeit

 

 

 

 

18

 

 

13

Klasse 13 bei Bedarf

17

Studienkolleg

Berufskolleg

12

Abschluss: Abitur

 

11

 

16

 

 

 

Ziel: Berufsfähigkeit

15

Studienbezogenes Profil
 in Klasse 9 und 10

Berufsbezogenes Profil
 in Klasse 9 und 10

10

Abschluss: FOR(Q), Sek.I

14

9

Profilbildung

13

 

 

   Schule für Alle
(Klasse 1 – 10)

 

8

 

12

7

Wahlpflichtbereiche

11

6

 

10

5

2. Fremdsprache

9

4

 

8

3

1. Fremdsprache (Engl.)

7

2

 

6

1

Flexible Schuleingangs-

5

Kinderschule
Kindertagesstätte für Alle

 

phase mit 5 oder 6 Jahren

4

 

 

3

 

 

2

 

 

 

1

 

 


Ein Schulsystem, das so aufgebaut wäre, würde folgende Vorteile haben:
  • ehrlich, durchschaubar für alle Bürger, alle Schüler und deutlich billiger
  • Wegfall der schwierigen Entscheidung nach dem 4. Schuljahr, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll
  • kein Konkurrenzkampf unter den Schulformen
  • echte Stadtteilschulen - und damit keine Fahrkosten
  • vernünftiges Fremdsprachenangebot für alle
  • Ganztagsangebot für alle
  • alle Abschlüsse möglich, dazu Garantie eines einheitlichen Standards
  • vernünftige Differenzierung
  • Wechsel in den Lerngruppen jederzeit möglich, erst ab 9. Schuljahr Entscheidung für S-Profil oder B-Profil
  • gleiches Gehalt aller Lehrer
  • abgestimmte Lehrpläne
  • weitere Pluspunkte, da alle oben genannten Fehler des jetzigen Systems weitgehend vermieden werden

Anmerkung:
Die Ausführungen müssen noch an vielen Stellen ergänzt und modifiziert werden. Die Umsetzung mit allen Detailfragen, die sich noch ergeben, wird nicht einfach sein. Aber entscheidend ist, dass man bereit ist sich auf ein solches Denkmodell einzulassen, ohne sofort althergebrachte Vorurteile ins Feld zu führen, um es ablehnen zu können.
Das Modell ist einfach und überschaubar. Kein Patchwork-Modell aus den bisherigen Systemen. Solche Lösungen brauchen wir, weil die Zukunft neue Problemlösungen erfordert.
Und unsere Kinder müssen in der Zukunft leben und in dieser bestehen – sonst bekommen wir keine Rente!

Übrigens halte ich den Bericht des Zukunftsrates vom Januar 2010 im Downloadverzeichnis unter dem Namen zukunft.doc für Sie bereit. Lesen Sie ihn. Er ist es wert!
 

Ein wenig Bauchschmerzen habe ich natürlich immer noch mit den Schülerinnen und Schülern, bei denen "Hopfen und Malz verloren ist", denn trotz aller Beteuerungen der Entwicklungspsychologen und Bildungspolitiker habe ich in meiner 36-jährigen Lehrerzeit erkennen müssen, dass es sie gibt. Deshalb ist die Frage nach den Sonderschulen durchaus berechtigt. Die Politiker sehen es so:
 
Brauchen wir weiterhin Sonderschulen?
Zu diesem Thema haben die Fraktionen im Landtag unterschiedliche Standpunkte. Der Auszug aus "Landtag intern" vom Mai 2003 ist zwar schon etwas älter, das merken Sie schon an der Überschrift. Denn schließlich gibt es seit 2005 in NRW nur noch "Förderschulen". Aber für die Diskussion ist der Inhalt durchaus interessant:
Kindern und Jugendlichen mit Behinderung sollte ein höchstmögliches Maß an gemeinsamem Leben und Lernen ermöglicht werden. Wo dies realisiert werden kann - darüber entscheidet allein der individuelle Förderbedarf. In NRW besuchen die weitaus meisten Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Sonderschulen.
Nur etwa zehn Prozent besuchen Regelschulen mit unterschiedlichen Integrationsangeboten. Der gemeinsame Unterricht als alternative Regelform hat Erwartungen an schulische Integration geweckt, die nicht erfüllt werden, weil die sächlichen und personellen Vorgaben dem Anspruch an individuelle Förderung nicht gerecht werden. Viele Eltern entscheiden sich bewusst für die Sonderschule, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden. Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung, aber auch lernbehinderte Kinder haben einen sehr individuellen Förderbedarf, der oft nur in einer speziellen Schule zu gewährleisten ist. Seit Jahren wird an den Sonderschulen trotz ständig schlechter werdender Rahmenbedingungen hervorragende Arbeit geleistet. Durch die Streichung der Mittel für das medizinisch-therapeutische Personal an den Schulen für Körperbehinderte hat das Land ein fatales Signal gesetzt. Statt Abbau brauchen Sonderschulen eine deutliche Stärkung, um Kinder und Jugendliche mit Behinderung optimal zu fördern und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
(Ursula Monheim, CDU)
Zur speziellen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen brauchen wir weiterhin Förderschulen, wie wir die Sonderschulen in Zukunft nennen wollen. Wir wollen jedoch auch ein Mehr an schulischer Integration in den allgemein bildenden Schulen. Schulversuche und wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen,dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen beide Seiten bereichert. Deshalb setzt die SPD-Fraktion auf mehr Integration. Unser Parlamentsantrag vom 26. März diesen Jahres „Integration von Schülerinnen und Schülern mit Behinderung stärken – Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung“ dokumentiert das. Perspektivisch wollen wir den Förderbedarf in den Förderbereichen „Lernen“ sowie „emotionale und soziale Entwicklung“ im Regelschulsystem abdecken. Uns ist aber auch klar, dass heute keinesfalls an den allgemein bildenden Schulen Bedingungen vorhanden sind, die eine vollständige Integration von Schülerinnen und Schülern mit entsprechendem Förderbedarf zulassen würde. Andere Länder, das wissen wir seit ihrem hervorragenden Abschneiden bei der PISA-Studie, besitzen integrative Schulsysteme. Sie sind offensichtlich in der Lage, alle Kinder einer Altersgruppe zu fördern; dabei gelingt ihnen Integration nicht nur von Kindern mit Behinderungen, sondern auch solchen aus sozial benachteiligten Familien und von Migrantenkindern weitaus besser als in Deutschland.
(Wolfgang Roth, SPD)
Selbstverständlich sind Sonderschulen unverzichtbar. Sonderpädagogischer Förderbedarf liegt bei Kindern vor, die in ihrer Lern- und Leistungsentwicklung so erheblichen Beeinträchtigungen unterliegen, dass sie auch mit zusätzlichen Lernhilfen der allgemeinen Schulen nicht ihren Möglichkeiten entsprechend optimal gefördert werden können. Jugendliche mit Behinderungen benötigen daher sonderpädagogische Förderung, um ihre individuellen Fähigkeiten bestmöglich entfalten und ein Höchstmaß an gesellschaftlicher Teilhabe erlangen zu können. Nur Sonderschulen sind mit Fachkräften auf Schüler mit so individuellem Förderbedarf spezialisiert. Im gemeinsamen Unterricht bleibt die erforderliche schulische Begleitung zumeist auf der Strecke. Da er keine optimalen Fördereffekte entfaltet, sollte er grundlegend reformiert und auf eine enge Zielgruppe konzentriert werden. Damit Sonderschulen auch zukünftig ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot unterbreiten können, bedürfen sie dringend einer besseren Ausstattung: Die Schüler/Lehrer-Relation ist auf 8:1 abzusenken und der hohe Stundenausfall durch eine geeignete Vertretungsreserve aufzufangen. Schulen für Lernbehinderte sollen zur bestmöglichen Berufsvorbereitung ihrer Schüler mit zusätzlichen Stellen zum Beispiel für Handwerker und Sozialarbeitskräfte ausgestattet werden. Sonderschulen sind ferner zu regionalen Kompetenzzentren auszubauen. Damit werden Ressourcen vernünftig gebündelt und die Schulform Sonderschule in ihrer Gesamtkapazität gestärkt.
(Ralf Witzel,FDP)
Was wir brauchen ist ein Paradigmenwechsel in unserem Bildungssystem: vom institutionenbezogenen Denken hin zu einem Denken von den Kindern und Jugendlichen aus. Kinder und Jugendliche sind nicht schulfähig oder sogar „schulformfähig“ – dies hat die PISA-Studie hinlänglich dokumentiert. Vielmehr müssen unsere Schulen lernen, sich aller SchülerInnen anzunehmen und Verantwortung für deren Lernerfolg zu übernehmen, auch wenn diese sonderpädagogischer Förderung bedürfen. Die Zuweisungen an Sonderschulen steigen in NRW und in ganz Deutschland dramatisch an – hier sind wir europäische Spitzenklasse. Unser aussonderndes Schulsystem bedient sich seiner Mittel, schwierige SchülerInnen nach „unten“ durchzureichen, an die Sonderschulen. Dort erfahren sie gute sonderpädagogische Förderung, aber es fehlt die anregende und motivierende Gemeinschaft mit Kindern, die andere Begabungen, aber auch andere Förderbedarfe in die Schule mitbringen. Die Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung zeigen, dass dieser Unterricht in integrativen, heterogenen Gruppen allen zu Gute kommt. Nicht nur was das soziale Lernen angeht, sondern auch ganz konkret in der schulischen Leistung. Mehr Chancengleichheit und mehr Leistung – hierzu brauchen wir eine schrittweise Überführung der sonderpädagogischen Förderung in das Regelschulsystem.
(Dr. Ruth Seidl, GRÜNE)
Inzwischen spricht kein Mensch mehr von Sonderschulen, sondern überall gibt es Förderschulen. Weiterhin sind viele Integrationsklassen eingerichtet worden, in denen behinderte Schülerinnen und Schüler aller Art mit normal entwickelten gemeinsam unterrichtet werden. Das neue Schlagwort "Inklusion" hat in die Pädagogik Einzug gehalten. Nach der Umsetzung der UN-Konvention und den KMK-Empfehlungen haben inzwischen die Eltern behinderter Kinder die Wahl, ob diese zum Beispiel an einer Sonderschule, einer Regelschule oder in einer Integrationsklasse lernen. Auf meiner Webseite Inklusion finden Sie dazu weitere Informationen.

Was muss die Ganztagsschule in NRW leisten?

Zu diesem Thema gibt es ebenfalls seit 2003 viele Stellungnahmen der einzelnen Fraktionen . Allerdings haben sich alle Meinungen stark angenähert. Inzwischen wollen alle die offene Ganztagsschule, weil sie glauben, damit einen Ausweg aus der PISA-Krise gefunden zu haben. Leider ist das ein großer Irrtum. Darin liegt es nämlich nicht. Die offene Ganztagsschule wäre nur eine echte Lösung, wenn sie mehr bieten würde als nur Betreuungsangebote. Das kostet aber mehr Lehrer und eine bessere Schulausstattung, wozu man derzeit nicht willens ist. An vernünftigen Konzepten mangelt es nämlich nicht - die haben die Gesamtschulen, die ja im Normalfall als Ganztagsschulen geführt werden. längst entworfen und erprobt.
 
Zur Schulstrukturdebatte habe ich eine Sonderseite mit Zahlen und Daten aus den europäischen Nachbarländern zusammengestellt. Damit können Sie besser diskutieren, denn Sie finden auf dieser Seite Informationen über die Zahl der Schulabbrecher, die Sonderschüler oder vergleichende Daten aus den letzten Jahren!
 

Ist eine neue Schulstruktur die richtige Antwort auf PISA?
Hier die Meinung der Landtagsfraktionen:
 

Es gibt in Deutschland weder eine „neue Schulstruktur“, noch eine einheitliche „alte Schulstruktur“. Die neuen Bundesländer haben fast alle nur zwei Schulformen in der Sekundarstufe und die Koalition von SPD und CDU in Brandenburg will neben dem Gymnasium eine „Oberschule“ durch Zusammenlegung von Gesamt- und Realschule schaffen. Im Saarland hat die CDU die Dreigliedrigkeit hin zur Zweigliedrigkeit verändert. In Nordrhein-Westfalen will die CDU die Hauptschule und die Gesamtschule abschaffen und durch eine so genannte „Aufbauschule“ ersetzen. Ansonsten beschränkt sich die CDU auf eine Gespensterdebatte, in der sie der SPD unterstellt, auf „kaltem Wege“ in NRW die „Einheitsschule“ einführen zu wollen. Die Kampagne der CDU, die diese Unterstellung glaubhaft machen sollte, ist bereits jämmerlich gescheitert.
Die PISA-Ergebnisse über Schülerleistungen und Integrationsfähigkeit lassen Rückschlüsse auf die Effizienz unterschiedlicher Schulsysteme zu. Allerdings werden Vergleiche auch dadurch erschwert, dass es außerhalb Deutschlands kein Schulsystem gibt, das die Kinder im Alter von zehn Jahren so rigide auf drei unterschiedliche Schulformen aufteilt. Selbst in Österreich und in den meisten Kantonen der Schweiz – sowie bereits in sechs Bundesländern – gibt es im Sekundarbereich nur noch zwei Schulformen. Die SPD bietet einen offenen Dialog über ihre Bildungspolitik und über ihre Reformansätze an.
Von Manfred Degen (SPD)
Der Strukturstreit hat die Bildungspolitik in Deutschland für zwei Jahrzehnte gelähmt. Die Forderung nach einer neuen Schulstruktur lässt sich nicht mit den Ergebnissen der PISAStudie begründen. Professor Baumert hat verdeutlicht: Ein distanzierter und sachkundiger Betrachter, der keine politischen Botschaften vermitteln will, kommt leicht zu dem Schluss, dass die Untersuchungsergebnisse keineswegs zu eindeutigen Urteilen über Vor- und Nachteile gegliederter oder einheitlicher Schulsysteme führen. Wir müssen nach PISA das bestehende gegliederte Schulsystem verbessern und nicht zerschlagen. Nicht eine neue Schulstruktur ist die Antwort auf PISA, sondern bessere Unterrichtsqualität und individuelle Förderung. Ein Systemwechsel mindert die Leistung. Aber eine weitere Leistungsminderung können wir uns in Nordrhein-Westfalen nicht mehr erlauben – schon heute sind wir weit abgeschlagen. Gerade auch die PISA-Verlierer verfügen über eine verlängerte gemeinsame Schulzeit, nicht nur Finnland oder Schweden.
Die Vielgliedrigkeit des deutschen Schulwesens und seine Anpassung
an Besonderheiten in den einzelnen Bundesländern ist kein Nachteil, es ist ein Vorteil, weil wir so Kinder begabungsgerechter unterrichten können. Die Zauberwörter heißen: individuelle Förderung, kleinere Klassen, verlässlicher, qualitativ hochwertiger Unterricht
und nicht Einheitsschule.
Von Bernhard Recker (CDU)
Drei Jahre nach dem PISASchock hat sich die desolate bildungspolitische Situation unseres Landes leider immer noch nicht verbessert. Rot-Grün hat sich als handlungsunfähig erwiesen, notwendige Qualitätsverbesserungen umzusetzen. Das ist das große Versäumnis nach PISA. Die grüne Blitzableiterdebatte pro Einheitsschule löst aber keines der bestehenden Bildungsdefizite. Dieser ideologische Streit über alternative Schulstrukturen hat nur zu großer Verunsicherung bei den Schulen vor Ort, bei Schülern und Eltern sowie Lehrern geführt. Bestehende Unklarheiten müssen daher schnellstens durch ein Signal der Verlässlichkeit für ein auch zukünftig differenziertes Schulangebot beseitigt werden. Jede einzelne Schulform verfügt über ihren spezifischen Bildungsgang und nimmt ihren speziellen Bildungsauftrag im Gesamtsystem wahr.
Anstelle eines unfruchtbaren Schulstreits müssen Unterrichtsbedingungen und Unterrichtsqualität unverzüglich und nachhaltig verbessert werden. Wir brauchen sofort qualitative Verbesserungen in der Lehrerausbildung, bei der Methodik und der Didaktik des Unterrichts und ein besseres Schulklima, das die Lernmotivation fördert. Wir müssen dazu die notwendigen Ressourcen bereitstellen, um mehr individuelles Lernen und eine zielgerichtetere Förderung jedes einzelnen entsprechend seiner Begabungen zu ermöglichen. Zudem benötigen wir im differenzierten System mehr Durchlässigkeit sowie validere Verfahren beim Übergang vom Primarbereich in die weiterführende Schule. Dies sind die eigentlichen bildungspolitischen Herausforderungen in Zeiten von PISA.
Von Ralf Witzel (FDP)
Die Struktur eines Schulwesens ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck! Die Frage, die dabei im Mittelpunkt stehen muss, lautet, welche Bildungsziele unsere Schulen und mit ihnen unsere Gesellschaft erreichen möchten. Mehr Chancengleichheit und bessere Leistungen für Kinder und Jugendliche in der Spitze wie in der Breite sind der PISA-Studie zufolge oberstes Gebot. Wir brauchen – das machen uns vor allem die skandinavischen Länder vor – eine Offensive für individuelle Förderung und für eine Unterrichtsgestaltung, die das einzelne Kind in den Mittelpunkt stellt. Das gegliederte System leistet dies nicht und kann es auch nicht leisten, weil Selektionsmechanismen greifen, bevor individuelle Förderung eine Chance hat anzusetzen. Deshalb ist es Zeit, von erfolgreichen PISA-Ländern zu lernen, und diese zeichnen sich durch integrative Schulsysteme aus. Wir brauchen eine Schule der Vielfalt für alle Kinder, die bei den Unterschieden der Schülerinnen und Schüler ansetzt, ohne strukturelle Barrieren aufzubauen. Denn jede Art von institutioneller Barriere behindert erfolgreiches Lernen und Leistung erheblich. Wir müssen die Diskussion um die Schulstruktur ohne ideologische Scheuklappen in einer breiten Öffentlichkeit führen, um eine Kultur in den Schulen zu etablieren, die auf Förderung statt Auslese setzt und damit Grundvoraussetzung für eine leistungsorientierte Schule der Vielfalt für alle Kinder ist.
Von Sylvia Löhrmann (GRÜNE)
aus "Landtag intern" 11/2004

Was bedeutet individuelle Förderung für unser Schulsystem?

Darüber sind sich Koalition und Opposition nicht einig. Hier die Meinung der Fraktionen:
 

Ausgangspunkt unserer Überlegungen muss die Frage sein: „Was bedeutet individuelle Förderung für unsere Schülerinnen und Schüler?" Erst daran schließt sich die Frage an, wie man diese Förderung in unserem Schulsystem realisieren kann.
„Fördern statt auslesen" ist schon seit Jahrzehnten ein unumstrittener Leitsatz der SPD – eine Forderung, die aber erst jetzt unter dem Eindruck der PISA-Ergebnisse systematisch und schrittweise umgesetzt wird. Bildungsstandards legen klar fest, was am Ende eines bestimmten Bildungs- oder Lebensabschnittes gelernt sein soll. Die Überprüfung der jeweils erreichten Kompetenzen bildet die Grundlage für die gezielte Förderung.
Das Schulfähigkeitsprofil ermittelt individuellen Förderbedarf noch vor Eintritt in die Schule. Die neue Schuleingangsphase ermöglicht ein individuelles Lerntempo in der Grundschule und eine entsprechende Förderung. Einen weiteren Schritt bilden die individuellen Lern- und Förderempfehlungen anstelle der bisher üblichen so genannten „Blauen Briefe". Lernstandserhebungen geben den Schulen und den Lehrern Hinweise auf die Ergebnisse des Unterrichts und für Fördermaßnahmen.
Im Mittelpunkt aller Bemühungen muss die Qualität des Unterrichts stehen. Dabei darf die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern nicht eine Ergänzung oder eine Reparatur von Unterricht sein. Förderung muss vielmehr Unterrichtsprinzip sein. Dann würden das Sitzen bleiben und das Abschulen auch in unserem Schulsystem verzichtbar sein.
Von Manfred Degen (SPD)

Das Fazit aus PISA lautet: Die individuelle Förderung in unseren Schulen muss verbessert werden. Nicht die rot-grüne Einheitsschule, sondern individuelle Förderung muss die zukünftige Bildungspolitik steuern. Individuelle Förderung bedeutet: weniger Schulversager, weniger Schulmüde, weniger Sitzenbleiber. Mehr Bildungsgerechtigkeit für alle.

Um fördern zu können, bedarf es jedoch einer treffenden Diagnose – von Leitungsdefiziten, aber auch Hochbegabung. Daher muss bereits in der Lehrerausbildung ein Ausbildungsmodul Diagnose und Förderung eingeführt werden. Aktuelle Maßnahmen wie Vergleichsarbeiten oder Lernstandserhebungen sind in ihrer jetzigen Form nicht geeignet, eine angemessene Diagnose für die individuelle Förderung zu geben. Diagnose und Therapie müssen hier entkoppelt werden. Defizitdiagnosen lassen sich sinnvoll nur aus der täglichen Unterrichtspraxis ableiten. Doch Diagnose allein reicht nicht. Lehrer brauchen auch die Zeit und Rahmenbedingungen, die es ihnen erlauben, Defizite zu beheben und Begabungen zu fördern. Dazu ist zum Beispiel die „Offene Ganztagsgrundschule" nicht in der Lage. Echte Ganztagsschulen sind hier ein wichtiger Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit. Statt Lehrerstellen in 2005 abzubauen, müssen zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden.
Von Bernhard Recker (CDU)
 


 

Ein wesentlicher Lösungsansatz zur Überwindung der PISA-Misere liegt neben einer konsequenten Leistungsorientierung in der individuelleren Förderung jedes einzelnen Schülers. Heute rächt sich ein wesentliches Versäumnis von zehn Jahren rot-grüner Mangelverwaltung im Bildungsbereich: Unsere Kinder werden zu wenig gefördert und gefordert. Im Ergebnis ist in keinem deutschen Bundesland der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb so groß wie in NRW. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Armutszeugnis der bisherigen Bildungspolitik, dass so jedes Jahr die Intelligenz zehntausender Schüler ungenutzt verfällt.
Anstatt der rückwärtsgewandten rot-grünen Ideologiedebatte um Einführung der Einheitsschule brauchen wir für jedes Kind den passenden Förderplan in einem begabungsgerechten differenzierten Schulsystem. Jeder soll so ermuntert und in die Lage versetzt werden, sein Begabungspotential vollständig zu entwickeln und auszuschöpfen. Das geschieht durch Umsetzung individueller Lernzielvereinbarungen unter pädagogisch-fachlicher Begleitung der Lehrkräfte. Dies bedingt auch veränderte inhaltliche Schwerpunkte in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung. Lehrer müssen mehr als bislang in die Lage versetzt werden, die Begabungen der Kinder so früh wie möglich zu erkennen und zu fördern sowie Benachteiligungen rechtzeitig abzubauen.
Das Verhältnis von lehrer- und schülerzentriertem Unterricht erhält dadurch eine neue Gewichtung. Die künftige Rolle des Lehrers ist zunehmend die eines Moderators von weitgehend selbst gesteuerten und eigenverantwortlichen Lernprozessen der Schüler. Von Ralf Witzel (FDP)


Ein Lehrer spricht, 25 Schülerinnen und Schüler hören zu – dieser über Jahrzehnte praktizierte Unterricht hat heute zwar schon vielfach ausgedient, aber wir stehen dennoch in vielen Schulen am Anfang der Einführung alternativer Unterrichtsformen. Individuelle Förderung muss Standard im regulären Unterricht werden und ist nichts, was allein in zusätzlichen Angeboten umgesetzt werden kann. In skandinavischen Ländern arbeiten Kinder und Jugendliche nach individuellen, mit ihren Lehrerinnen und Lehrern erstellten Wochenplänen, Lerngruppen arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und auf unterschiedlichem Niveau. Die Rolle der Lehrkräfte wird sich verändern: Weg vom Hauptdarsteller im Unterricht, hin zu Regisseuren des Lernens. Die Hauptdarsteller sind die Kinder und Jugendlichen. Individuelle Förderung ist eng mit der Unterrichtsgestaltung verbunden, sie hat mit den bereitgestellten Ressourcen zu tun, aber auch und insbesondere mit der Lernkultur in einer Schule und mit der Struktur eines Schulwesens. Elementar für das Gelingen individueller Förderung ist die Übernahme der Verantwortung für die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkräfte und die Schule. So kennen viele Länder Maßnahmen wie Klassenwiederholungen oder Abschulung – und damit die Übergabe der Verantwortung an andere – nicht. Individuelle Förderung wird durch die strukturellen Barrieren in unserem Bildungswesen erheblich erschwert. Deshalb müssen zur Verankerung der individuellen Förderung in unseren Schulen Reformen der Unterrichtsgestaltung mit Reformen der Schulstrukturen Hand in Hand gehen. Wer diesen Zusammenhang negiert, verhindert innovative Schulentwicklung.
Von Sylvia Löhrmann (Grüne)
aus: Landtag intern 36/2005

Der Streit über künftige Schulformen geht allerdings in den Fraktionen weiter. Der Vorschlag der SPD vom September 2007, eine Gemeinschaftsschule für alle einzuführen, wurde von der CDU als "Griff in die Mottenkiste" bezeichnet. Inzwischen ist diese Schule Wirklichkeit geworden. Während die SPD mit längeren gemeinsamen Lernzeiten argumentiert, kontert die CDU mit dem Gymnasium als beliebtester Schulform.
Zugeben muss man natürlich, dass die rot-grüne Koalition auch nach 25 Jahren gesamtschulorientierter Bildungspolitik eingestehen musste, das 25% der Schülerinnen und Schüler nicht richtig lesen, schreiben und rechnen konnten. Das tut weh.

Aber im Endeffekt ist die Schulstruktur gar nicht so entscheidend, wie manche denken:
Was nämlich alle nicht so richtig wahrhaben wollen: Es hängt nicht von der Schulform ab, wie gut jemand nach der Schulzeit lesen, schreiben und rechnen gelernt hat, sondern vom Unterricht, den er genossen hat. Guter Unterricht ist gefragt - da ist die Schulform nebensächlich!

Die neuen politischen Kräfte daraus machen, die sich nach der Landtagswahl im Mai 2010 etabliert hatten, haben fleißig an der Schulstruktur gearbeitet und im Alleingang die Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht. Grundsätzlich eine lobenswerte Sache, weil dadurch die von den Eltern ungeliebte Hauptschule abgeschafft werden sollte. Immerhin hatten bis zum Jahresende 2010 19 Schulträger einen Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt, von denen 12 im Sommer 2011 gestartet sind. Allerdings ist das bereits ein Auslaufmodell, denn durch den schulpolitischen Konsens ist  die gesetzliche Grundlage für die Sekundarschule geschaffen worden.

Die CDU hatte nämlich auch begriffen, dass die Hauptschule ein Auslaufmodell ist und stellte sich langsam auf die Realitäten ein. Für den Landesparteitag im März 2011 in Siegen hatte sie ein neues schulpolitisches Konzept vorgestellt, das eine Annäherung an die rot-grüne Regierung andeutete, allerdings am gegliederten Schulsystem festhielt. Es setzte sich allerdings die Haltung durch, dass auch die CDU einem rot-grünen Schulgesetz zustimmen könnte, wenn die Gemeinschaftsschule nicht bevorzugt und das Gymnasium nicht in Frage gestellt würde, sondern eine Gleichberechtigung aller Schulformen garantiert würde.

Konsens in der Schulpolitik und dauerhafter Schulfrieden?

Im September 2010 hatte die Ministerin eine Bildungskonferenz einberufen, in der mehr als 100 Teilnehmer aus über 50 Verbänden und Institutionen vertreten waren, die bis zum Mai 2011 beratschlagten, sich aber nicht über eine eindeutige Schulstruktur einig werden konnten. Es werden sowohl organisatorische Verbundsysteme von unterschiedlichen Schulformen wie auch integrative Systeme befürwortet. Die Teilnehmer gehen in ihrer Abschlussdarstellung davon aus, dass beide Systeme nebeneinander bestehen könnten und damit ein Kompromiss erzielt werden könnte, der in einem neuen Schulgesetz festgeschrieben würde und zu einem dauerhaften Schulfrieden führen könnte.
In dem Abschlussbericht spricht sich die Bildungskonferenz dafür aus, dass in allen Schulformen der verpflichtende Ganztagsunterricht bis 2020 ausgebaut werden solle und dass allen Schülerinnen und Schülern im Jahrgang 8 eine "Potenzialanalyse" angeboten werden soll. Gefordert wird außerdem eine Fortbildung der Lehrer im Hinblick auf ihre Diagnosekompetenz. Aber lesen Sie selbst: Im Downloadbereich habe ich die Kurzfassung der Kommission unter dem Titel Bildung2011.pdf gespeichert.

Nun ist ein Abschlussbericht einer Bildungskonferenz eine Sache, die Umsetzung der Vorschläge durch die Politik eine andere. Aber hier muss man in der Tat die nordrhein-westfälischen Politiker loben, denn sie haben die Vorschläge umzusetzen versucht  und sich dazu durchgerungen, einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Schulstruktur in NRW einzubringen, der von den Fraktionen der CDU, der SPD und der GRÜNEN getragen wurde. Das verspricht in der Tat einen Schulfrieden - zumindest für die nächsten 12 Jahre - und ist sehr lobenswert. Inzwischen ist das Gesetz verabschiedet worden und hat zu der neuen Schulform Sekundarschule geführt.

Kern des Gesetzes ist die Einrichtung von Sekundarschulen, die vorwiegend durch den Zusammenschluss von Hauptschulen und Realschulen gebildet werden. Durch eine Kooperation mit einem Gymnasium oder einer anderen Schulform mit integrierter Sekundarstufe II haben so alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sämtliche Abschlüsse zu erreichen.

Das Schulsystem in NRW


(Grafik: MSW)
Auf meiner Webseite Sekundarschule habe ich ausgeführt, dass ich vorerst noch an einem dauerhaften Schulfrieden zweifle, zumal das Schulsystem sich innerhalb von nur 1 1/2 Jahren um zwei zusätzliche Schulformen in verwirrender Weise erweitert hat. Vorerst wird es also erst einmal ein Schulchaos  geben.

Die Schulministerin Sylvia Löhrmann sagte am 3.1.2013 der Presse: "Die Dynamik der Schulentwicklung in NRW ist beeindruckend", als sie bekannt gab, dass die Kommunen für das Schuljahr 2013/14 53 neue Sekundarschulen beantragen wollen. Wahrscheinlich hat sie dabei nur die Menge gemeint und nicht die Qualität, denn es ist nicht zu übersehen, dass immer mehr  Eltern ihre Kinder in Privatschulen schicken. Der Anteil der Schüler, die zur Zeit eine Privatschule besuchen, ist inzwischen von 4,8 auf 8,4  Prozent gestiegen. Der Kasseler Soziologe Heinz Bude spricht sogar von einer "Bildungspanik" und einer gefährlichen Tendenz, weil die öffentlichen Schulen zu Verlierern werden. Sehen Sie sich auch dazu die Zahlen auf meiner Webseite Zahlen und Daten zur Schulstruktur an. 

Verlierer sind auch die Inklusionskinder, die in den allgemeinen Schulen nur unzureichend gefördert werden. Wohin das Schulsystem führt, sehen Sie an der nachfolgenden Tabelle: Hunderte von Schulen sind in den letzten Jahren geschlossen worden, um das heterogene System der Gesamtschulen und Sekundarschulen durchzusetzen, das politischer Wille der Landesregierung ist:
 

Zahl der Schulen und Schulformen in NRW (öffentlich und privat)

Jahr Grund-schule Haupt-schule Real-schule Primus-Schule Gemein-schafts-schule Sekun-darschule Gesamt-schule Gym-nasium Waldorf-schule Förder-schule Weiter-bildungs-kolleg Berufs-kollege Summe aller Schulen
2000 3466 742 535 - - - 215 627 48 723 55 326 6773
2010 3174 640 563 - - - 225 626 52 688 55 370 6429
2011 3087 608 564 - 12 - 232 627 52 682 55 373 6326
2012 3029 575 564 - 12 42 252 627 53 680 55 379 6302
2013 2945 535 566 1 12 84 281 627 53 656 55 379 6228
2014 2882 493 563 5 10 109 306 625 53 613 55 381 6130
2015 2846 456 559 5 10 114 314 625 55 536 55 378 5988
2016 2813 405 538 5 8 117 327 625 56 491 53 378 5851
 
darunter
auslaufend
  
15 222 154       2 2   35     431

 

Weitere Hinweise:

Thema/Titel Internet-Adresse
Eine aktuelle Broschüre über das Schulsystem 2015 in NRW gibt es beim Schulministerium als kostenlosen Download oder als Druck in 7 Sprachen (Deutsch, Türkisch, Russisch, Englisch, Französisch, Arabisch, Rumänisch). Zur Information für Eltern ist dieser Flyer auch gut geeignet. https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/
Diskussion über Bildungsreform und Schulstruktur www.GGG-NRW.de
Leitantrag der CDU im März 2011 für eine neues schulpolitisches Konzept : Jedem Kind gerecht werden www.cdu-nrw.de
Diskussion über das SPD-Eckpunktepapier www.gew-nrw.de
Aktuelle Informationen und Drucksachen zur Schulpolitik finden Sie auf der Webseite des Landtags www.landtag.nrw.de
Bericht des Zukunftsrates NRW 2015 www.agenda21nrw.de/
Schulkonsens und Überblick über die geplante neue Schulstruktur in NRW www.schulministerium.nrw.de

Letzte Aktualisierung dieser Seite am 21.08.16 

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