Toskana 2010

Mit dem Bus nach Italien?

Als wir das Angebot von Trend-Tours lasen, für 698.-€ eine 10-tägige Reise in die Toskana zu machen mitsamt einer Wellness-Kur in Montecatini Terme und Ausflügen nach Lucca, Siena, Florenz, Viareggio, San Gimignano, Pisa und Elba, waren wir sofort begeistert. Dazu noch Halbpension inbegriffen. Das war ein unschlagbares Angebot und fürs Erste ein schöner Überblick über diese faszinierende Landschaft, die man in Lehrerkreisen die "Heimat der deutschen Oberstudienräte" nennt.
Aber mit dem Bus? Nein, das wollte keiner unserer Bekannten so recht glauben, dass wir das als eingefleischte Langstreckenflieger auf uns nehmen wollten. 16 Stunden im Bus? Nein - danke!. Selbst uns machten diese Reaktionen skeptisch und so suchten wir im Internet nach Flugmöglichkeiten. Aber unter 140.- € für einen Flug von Düsseldorf nach Pisa oder Florenz war nichts zu machen. Und umsteigen müsste man auch noch.
Und so riskierten wir es - und wurden nicht enttäuscht.

Der moderne Neoplan Reisebus **** der Firma K+S aus Fröndenberg startete  am 11.Juli 2010 mit 2 Fahrern um 24:00 Uhr in Düsseldorf am Fernbahnhof. Genau 16 Stunden später lud er uns in Montecatini Terme um 16:00 Uhr nachmittags vor dem Hotel du Park Regina**** ab. Das war schon eine tolle Leistung, die wir vorher gar nicht erwartet hatten.


Das Hotel du Park Regina gegenüber der Tettuccio Terme

Wir überstanden die Fahrt erstaunlich gut, denn  der Sitzabstand im Bus war größer als im Flugzeug, die Beinfreiheit großzügiger und die Verstellmöglichkeit der Sitze sehr komfortabel.. Außerdem wurden die 16 Stunden Fahrzeit 5x nach jeweils 2 1/2 Stunden durch Pausen von 20 oder 30 Minuten an Raststätten unterbrochen. Dadurch konnten wir uns die Beine vertreten, etwas trinken, essen oder auf die Toilette gehen. Getränke gab es im Übrigen auch im Bus; einer der beiden Fahrer übernahm immer abwechselnd den Service. Rechnet man die 125 Minuten von den 16 Stunden ab, so hat der Bus für 1200 km von Düsseldorf nach Montecatini Terme weniger als 14 Stunden gebraucht - eine Super-Fahrzeit und ein Kompliment für die beiden Fahrer! Das musste sogar ein anderer Gast zugeben, der mit seinem eigenen Jaguar angereist war und ebenfalls 14 Stunden gebraucht hatte.
Allerdings wurde das auch dadurch begünstigt, dass am Bus ein elektronischer Tele-Pass installiert war, der an allen Autobahn-Zahlstellen automatisch die Schranken öffnete und eine wartefreie Durchfahrt gestattete.
Berücksichtigt man die großen Vorteile eines eigenen Busses am Urlaubsort für 8 Ausflüge in die Umgebung, so ist also eine Busfahrt nach Italien durchaus eine erwähnenswerte Alternative.

Montecatini Terme

Sehr positiv fanden wir an dem gesamten Reisearrangement, dass als einziger Standort Montecatini Terme ausgewählt worden war, von dem aus alle Ausflüge stattfanden. Das hatte den unschätzbaren Vorteil, dass wir nicht das Hotel wechseln mussten. Die  kleine Stadt mit 25000 Einwohnern liegt zwischen Pistoia und Lucca und ist eines der berühmtesten Heilbäder Italiens. Es gibt über 200 Hotels hier, die allerdings auch schon mal bessere Zeiten gesehen haben, viele im Jugendstil. 100 stehen zur Zeit leer, sodass der Ort als günstiger Übernachtungspunkt für Ausflüge in die Toskana gilt. Unser Hotel hatte jedenfalls akzeptable Zimmer, wenn auch die Klimaanlage aus welchen Gründen auch immer zeitweise zentral abgeschaltet wurde. Das gefiel uns weniger, denn die 38°C mit ziemlicher Luftfeuchtigkeit waren schon heftig.

Glücklicherweise hatte das Hotel einen Pool mit vielen Liege- und Sitzmöglichkeiten, der die hohen Temperaturen erträglich werden ließ.
Mit einem kühlen Campari-Orange (der im Übrigen stilgerecht serviert wurde von dem Barkeeper am Pool und gar nicht so mickrig war, wie man ihn sonst bekam) konnten wir so unseren Urlaub beginnen und uns am Pool entspannen. Unsere Befürchtung, dass nur Rentner in Montecatini Terme zu finden wären, weil es doch als Heilbad bekannt war, erfüllte sich überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es waren viele Jugendliche und Schülergruppen hier, die entweder an den Musikwettbewerben und Konzerten beteiligt waren, die in den Sommermonaten hier veranstaltet werden, oder  sie hatten für ihre Klassenfahrten die Stadt als günstigen Ausgangspunkt für die Ausflüge in die umliegenden Orte der Toskana gewählt. Das bedeutete viel Musik, Lebendigkeit und internationales Flair im Hotel, was sich durchaus auch manchmal in der nächtlichen Lautstärke bemerkbar machte; aber das ist eben Italien!

Die antike Tettuccio-Terme mit ihren Marmorsäulen und den kühlen Fußböden bietet sich als alternativer Aufenthaltsort für den heißen Tag und die gemütlichen Abendstunden an, weil tägliche Konzerte und Gesangsvorführungen eine wundervoll entspannende Atmosphäre schaffen. Wer will, kann auch das Heilwasser probieren.

Montecatini Alto

Nur 150m von unserem Hotel entfernt, das im Übrigen direkt gegenüber der Tettuccio-Terme lag, ist der Startpunkt einer Seilbahn, die hinauf nach Montecatini Alto führt, einem kleinen Dorf aus etruskischer Zeit , das malerisch auf einem Hügel etwa 200m höher als Montecatini Terme liegt. Natürlich kann man auch über einen steinigen Wanderweg zu Fuß hinauf gehen oder mit dem Auto die enge und kurvenreiche Straße hinauffahren.
Oben wird man dann mit einem grandiosen Blick über die Toskana belohnt, der über die umliegenden Dörfer bis nach Pistoia reicht. Besonders farbenprächtig ist ein Besuch zum Sonnenuntergang mit anschließendem Abendessen in einem Restaurant auf dem Dorfplatz.

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Blick von Montecatini Alto auf das Tal

 

Elba

Bei unserem Trip auf die Insel Elba wurden wir von der gut informierten Reiseleiterin sofort auf die fischartige Form dieser kleinen Insel hingewiesen, die 11km vor der toskanischen Küste liegt. Sie ist schon seit der Zeit der Etrusker bewohnt und wurde hauptsächlich von diesen zum Abbau von Eisenerzen benutzt. Heute bewohnen noch etwa 30000 Einwohner die attraktive Ferieninsel.
Die im Sommer halbstündlich verkehrende Fähre brachte uns und unseren Reisebus von Piombino aus in einer Stunde in die Hauptstadt Portoferraio, die trotz ihrer

Geschäftigkeit wie ein gemütlicher Ferienort wirkt. Von dort aus starteten wir zu einer Rundfahrt über die wundervoll grüne und dicht bewachsene Insel, die durch den Exil-Aufenthalt von Napoleon so bekannt geworden ist. Sie ist heute ein beliebtes Urlaubsziel mit vielen preiswerten Hotels und Ferienwohnungen. Das merken wir schon, als wir an der Nordküste durch die Orte Biodola und Procchio kommen. Die hübschen Strandbuchten sind klein und nicht so vollgestopft  mit Sonnenschirmen und Liegestühlen wie auf dem Festland.
Elba könnte für uns auch in Frage kommen für einen gemütlichen Urlaub, denn wir sind begeistert von der grünen Macchia-Landschaft, den schmalen, gewundenen Bergstraßen und den malerischen Küstenorten, die uns ohne Hektik, Lärm und mit viel Flair begegnen. Allerdings stören uns doch ein wenig die italienischen Touristen-Abzock-Preise. Vielleicht ändert sich aber auch unsere Meinung, wenn wir ein 2. Mal hier sind, denn von einem kurzen Besichtigungstrip kann man noch nicht viel sagen, zumal uns die mörderische Hitze (38°C) immer nur in den Schatten und die Gelaterias gezwungen hat.
Vor allem müsste man noch einmal nach schönen Hotels und schattigen Stränden Ausschau halten. Eins haben wir jedenfalls schon in Porto Azzurro entdeckt.
 







 

           Bilder von Elba 
                          (zum Vergrößern mit der Maus darüber fahren)

 
 Blick über die Insel bei der Fahrt von Marina di Campo nach Lacona





Torre del Lago und Viareggio

Wenn man in der Toscana ist, besucht man auch die breiten Sandstrände an der Riviera degli Etruschi oder an der Riviera della Versilia.
Wir waren in Torre del Lago und Viareggio; beides sind Seebäder an der Versilia-Küste. Beide Orte waren schon im 19. Jahrhundert mondäne Seebäder, was man auch an den vielen Häusern und Villen im Jugendstil erkennen kann. Heute haben sie allerdings ihre Exklusivität verloren und sind vorrangig Ausflugsziele für die toskanische Bevölkerung am Wochenende.
Die Strände sind breit, flach und feinsandig, da gibt es nichts zu meckern. Wenn man allerdings an einem solcher Strände baden will, muss man erst einmal einen der teuren Parkplätze belegen.

 
Strand in Torre del Lago

Die italienischen Familien kommen deshalb vielfach mit dem Fahrrad an den Strand. Dort suchen sie sich einen der Sonnendachanbieter aus, die zu Hunderten den Strand für teures Geld von der Gemeinde gepachtet haben und dafür auch ihren Streifen sauber halten. Für 15...40€ pro Tag erhält man so einen Sonnenschirm  mit zwei Liegestühlen und hat Umkleideräume, Duschen und Toiletten zur Verfügung. Meist ist auch eine kleine Bar oder sogar ein Bistro vorhanden. Die einzelnen Parzellen sind säuberlich voneinander abgeteilt, farbig markiert und gut an der unterschiedlichen Ausstattung zu unterscheiden. Viele haben auch eigene Bademeister und Rettungsboote.


37 Reihen Liegestühle hintereinander bis zum Meer in Torre del Lago!

Natürlich liegt man eng beieinander und hängt sich gegenseitig auf der Pelle, was der Kommunikation dient und die Möglichkeiten schafft, am Familienleben des Nachbarn (plus ihrer Kinder und Bekannten) aktiv teilzunehmen. Zwischen den Reihen laufen die afrikanischen Händler und Eisverkäufer umher. Wer nichts bezahlen will, muss mit dem öffentlichen Strand vorlieb nehmen, der weder Duschen, noch Liegestühle, Toiletten oder Papierkörbe enthält - entsprechend sieht alles ziemlich ungepflegt aus, wobei im Hintergrund die afrikanischen Händler inmitten ihrer schwarzen Plastiktüten campieren.
Im Gegensatz zu Torre del Lago präsentiert sich Viareggio als deutlich gehobeneres Strandbad. Eine breite Strandpromenade mit Edelboutiquen und Geschäften vor einstmals mondänen Hotels aus der Jugendstilzeit demonstriert die großzügig angelegte Stadtplanung bereits zu Zeiten von Napoleon. Hier findet man hinter den 20 Reihen Liegestühlen komfortable Badehäuser aus Stein mit gemütlichen Cafés, teilweise sogar mit Schwimmbädern und diversen Unterhaltungsmöglichkeiten. Alles ist sehr sauber und ordentlich, aber genau so eng wie in Torre del Lago.

Durchgang zum Strand in Viareggio

Die Strandpromenade in Viareggio
Dafür ist hier alles umso teurer. Die Italiener  wissen, wie sie die Touristen ausnehmen können: Ein kleines Eis mit zwei Bällchen kostet 6,50 €, ein Cappuccino 3,50 €. Die Sonnenschirme mit Liegen 40 € pro Tag. Schlecht ist der dran, der nichts ausgeben will, denn er muss sich mit einem 30m breiten öffentlichen Strandabschnitt  zwischen Hafenmole und privaten Vermietern begnügen.
Das Wasser  an dem flach abfallenden Sandstrand ist angesichts des nahen Hafens  mit Tausenden von Yachten auch nicht besonders attraktiv.

Florenz


Die Fischer verkaufen ihren Fang direkt am Hafen.


Einen besonders schönen Blick auf die Stadt hat man vom Piazzale Michelangelo auf der anderen Seite des Arno

Viele Touristen machen aus den naheliegenden Orten in der Toskana einen Tagesausflug nach Florenz. Mehr als einen Überblick kann man aber bei einem eintägigen Besuch kaum gewinnen, denn die Stadt ist mit ihren unzähligen Kunstwerken ein einziges Freilichtmuseum. Das wissen natürlich auch die Tausenden von Besuchern, die sich auf jeder Piazza um ihre Fremdenführer scharen und die meisterhaft gestalteten Baudenkmäler und Fassaden aus Carrara - Marmor bewundern.

Der Palazzo Vecchio mit den monumentalen Statuen von David und Hercules  ist einer der großen Anziehungspunkte für alle Florenzbesucher. Mit der Attraktivität steigen auch die Preise: Hier kostet jetzt ein Eis mit 2 Bällchen 8,- € und ein Cappuccino 5,-€.. Im Vergleich dazu sind die Eintrittspreise für die Kirchen und Museen geradezu spottbillig. Wo kann man schon in Deutschland für ein Eis ein Museum besuchen?

In der Basilika  Santa Maria del Fiore beeindruckt die Weitläufigkeit des Raumes mit dem 153 m langen Längsschiff und die schlichte Ausstattung
Bei 40°C im Schatten sind wir froh, wenn wir uns in die kühle Stille einer Kirche oder eines Museums retten können, die alle mehr oder weniger berühmte Malereien und Bildhauerarbeiten beherbergen.


Die Taufkirche San Giovanni auf dem Domplatz
 mit ihrem fantastisch gestalteten Bronzeportal


Ein Spaziergang durch die Altstadt mit ihren schmalen Gassen ist trotz der Sommerhitze noch erträglich.
Viele Straßenverkäufer beleben das von Touristen geprägte Stadtbild, die Zahl der Taschendiebe ist naturgemäß entsprechend hoch, aber Polizei ist durchweg überall präsent. Auf den Besuch der Uffizien müssen wir verzichten, weil man sich vorher Karten besorgen muss oder sich in der endlosen Schlange Wartender einreihen muss. Dafür spazieren wir lieber am Arno-Ufer entlang bis zur Ponte Vecchio, die allerdings attraktiver wirkt, wenn man sich mitten darauf zwischen den vielen bunten Läden befindet.


Lucca

Ein Sonntagnachmittag bietet sich für einen Besuch dieses geschichtsträchtigen Ortes geradezu an. Die Sonne brennt heiß vom tiefblauen und wolkenlosen Toskanahimmel. Alle Bewohner von Lucca sind ans Meer gefahren und nur wenige Touristen sind in den schmalen Gassen zu finden, die glücklicherweise viel Schatten spenden. Die mit großen grauen Steinplatten gepflasterten Straßen sind super sauber und eignen sich gut zum Spazierengehen.

Einige der exklusiven Boutiquen sind zwar geschlossen, dafür kann man dann aber geruhsam spazieren gehen und gemütlich in einer der zahlreichen Trattorias den Feiertag genießen.

Auf dem großen Platz vor der Kirche San Martino findet ein Trödelmarkt statt, den viele sicher auch wegen der Antiquitäten schätzen, die hier angeboten werden. In der Kirche selbst erklärt uns unsere kompetente Stadtführerin die berühmten Schnitzereien und Gemälde.

Allerorten ragen die Geschlechtertürme aus den eng aneinander stehenden Gebäuden heraus; unter ihnen der berühmte Torre Guinigi, auf dem oben Eichen wachsen. Von oben soll man einen wundervollen Blick auf die Stadt haben, aber uns ist der Aufstieg bei fast 40°C zu anstrengend, sodass wir lieber durch die engen Gässchen im Schatten der Häuser weiterschlendern bis zur Piazza Anfiteatro.
Das ursprüngliche Amphitheater hat im Laufe der Jahrhunderte große Veränderungen durchmachen müssen: Es war zeitweise Festung, Schlachthof und Marktplatz und wurde in den letzten Jahren so geschickt restauriert, dass es heute eine teure Wohngegend mit Boutiquen, Cafés ist  und zu einem Szenetreffpunkt geworden ist. Hier findet jeweils um Weihnachten herum der Christkindl-Markt und im April der Blumenmarkt statt.




Das Luftbild von Wordpress zeigt in eindrucksvoller Weise die ovale Form des ehemaligen Amphitheaters

Durch einen der vier Torbogen gelangt man auf den Platz, der naturgemäß immer voll Touristen ist, weil er einen der Anziehungspunkte von Lucca darstellt. Das Panoramabild hätte ich gern so hinbekommen, aber es hat nicht geklappt. So habe ich ein Foto von Zyance verwendet.


Ein kleines Päuschen gönnen wir uns auf dem Platz vor Puccinis Geburtshaus, wo man in einer Gelateria einen (teuren) Cappucciono schlürfen oder ein kühles Eis schlecken kann.
Auch den Spaziergang über die breite Stadtmauer, über die vor ein paar Jahren noch die Autos fuhren, schenken wir uns wegen der Hitze. Der riesige, 4km lange Verteidigungswall war im 16. Jahrhundert auf der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet worden und ist durchaus sehenswert.
Stattdessen machen wir einen Besuch in der Kirche von San Michele, weil wir uns vom Innern Kühlung versprechen. Die bekommen wir auch in der imposanten Kirche mit den drei Schiffen und den Säulen mit Terracotta von Adrea della Robbia, sind allerdings ansonsten von der spartanischen Ausstattung etwas enttäuscht. Aber wahrscheinlich muss man auch das Alter der Kirche berücksichtigen, die schon im 7. Jahrhundert erwähnt wurde.
Lucca ist ein Städtchen, in dem wir noch gern länger geblieben wären, aber vielleicht ergibt sich ja noch einmal die Gelegenheit zu einem weiteren Besuch.

Siena

Die Strecke von Montecatini Terme nach Siena ist etwas weiter, sodass wir früh auf unsere heutige 13-Stunden-Tour aufbrechen müssen. Wie überall in den Touristenzentren wird der Bus nicht in die Altstadt gelassen, sondern muss auf einem Parkplatz außerhalb gegen sündhaft teure Parkgebühren stehen bleiben. 130 € muss der Busfahrer für die 4 Stunden hinblättern und wir fragen uns inzwischen, wie Trend-Tours den günstigen Reisepreis kalkuliert hat, denn auch heute sind wieder wie jeden Tag 2 Reiseführerinnnen dabei: eine im Bus, die als Ortskundige dem Fahrer den Weg von Montecatini-Terme hierhin weist, während wir die nächste auf dem Parkplatz treffen, die uns die Sehenswürdigkeiten vor Ort erklärt. Und das alles in guter und verständlicher deutschen Sprache. Wir sind total begeistert.

Vom Parkplatz aus spazieren wir an der Mauer des Forts entlang - denn wie Lucca ist auch Siena von einem gewaltigen Verteidigungswall umgeben. Die Höhe der Mauer begreift man erst richtig, wenn man daran vorbei spaziert. Das ist heute sogar ganz angenehm, weil die Bäume etwas Schatten spenden und den Weg bei 36° C erträglich werden lassen.

Die selbstbewusste Stadtführerin führt uns zunächst in Dominikanerkirche, wo der Kopf und ein Finger der Heiligen Katharina von Siena aufbewahrt werden. Die Kirche ist sehr einfach gestaltet, stammt aber auch aus dem 13. Jahrhundert.

Beim Spaziergang durch die Stadt merkt man sofort an den Steigungen, dass die Stadt auf 3 Hügeln erbaut wurde. Viele Touristen bevölkern die großflächig gepflasterten Straßen und werden immer wieder von Lieferfahrzeugen zur Seite gedrängt, sodass ein gemütlicher Schaufensterbummel gar nicht möglich ist. Das ist sehr schade und bringt im Gegensatz zu Lucca deutlich mehr Unruhe in diese sehenswerte Altstadt.
Wir kämpfen uns durch die Touristenströme  hindurch (Fußgänger müssen links gehen - warum auch immer)

und finden nur in den Innenhöfen der reichlich verzierten Palazzos ein wenig Ruhe (und auch Schatten!).
Wenn man mal einen schönen Durchblick erwischt hat und fotografieren will, muss man die Camera über die Köpfe der vielen Leute halten, weil sonst nur Touristen auf dem Bild zu sehen sind. Oder man muss zu Hause Photoshop einsetzen und die Touristen einfach wegretuschieren. Dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie die Straßen früher ausgesehen haben. Beeindruckend ist das nicht fertig gestellte alte Seitenschiff der Basilika, das 1339 begonnen wurde und wegen Geldmangels und Statikproblemen nie vollendet wurde.
Höhepunkt der Stadtbesichtigung ist natürlich die Besichtigung des Domes, heute sicherlich eines der bedeutendsten gotischen Kunstwerke Italiens. Im Innern des gewaltigen Bauwerks bringen uns nicht nur die  hohen Säulen aus weißem und schwarzem Marmor zum Staunen, sondern auch die kunstvollen Intarsienarbeiten auf den Marmorfußböden. Neben den klassischen Gemälden fällt besonders die achteckige Kanzel auf, die von Pisano stammt und deren tolle Reliefs aus Marmor wie kunstvolle Schnitzereien anmuten.
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Der Dom von Siena

 

Auf der imposanten Piazza di Campo endet unsere Besichtigung. Der 102 m hohe Rathausturm überragt diesen muschelförmig angelegten Platz, der natürlich sehr imposant aussieht, wenn man von oben in das weite Oval hinabschaut, das wie ein großer Theaterplatz aussieht. Die Reiseführerin berichtet von dem jährlichen  Palio als Großereignis. Das ist ein Pferderennen, bei dem die einzelnen Stadtbezirke gegeneinander antreten. Zu diesem Zweck wird das rote Backsteinpflaster aus einem Gemisch von Tuff mit Sand zugeschüttet und platt gewalzt. Dann gibt es einen großen Umzug und ein spannendes Rennen, das sich jedes Mal bis zu 40000 Zuschauer ansehen, die für einen Fensterplatz auf der Piazza bis zu 500 Euro bezahlen müssen.
Als wir wieder in den Bus steigen, sind wir uns alle einig, dass Siena eine wunderschöne Stadt ist und wahrscheinlich zu den sehenswertesten Plätzen der Toskana gehört. Aber die vielen Touristen stören doch gewaltig!
Wie viel ruhiger und  angenehmer war da doch der Besuch in Lucca.!
Wahrscheinlich müsste man hier einen Besuch außerhalb der Saison machen und sich mehr Zeit für alle Sehenswürdigkeiten nehmen.
Die Reiseführerin tröstet uns, denn unser nächstes Ziel ist ein kleines Dorf in den Bergen:
 Ich versuche wieder ein Video zu drehen mit der Lumix, um die Faszination des großen Platzes einzufangen, aber das ist gar nicht so einfach mit der kleinen leichten Camera, denn man wackelt doch ziemlich.

 San Gimignano


Natürlich ist San Gimignano im Vergleich zu Siena ein kleines Dörfchen; dafür finden sich dort um so mehr Touristen. Die Straßen

sind genau so voll wie in Siena. Wie sehr verwünschen wir die doch alle beim Durchgang durch das mittelalterliche Burgtor, aber schließlich sind wir selber welche und das Dorf lebt von ihnen.
Die schmucken toskanischen Läden mit den vielen bunten Nudelsorten, dem Chianti und allen Köstlichkeiten dieser wundervollen Gegend sehen sehr einladend aus. In den Gassen und Hinterhöfen haben sich viele Kunsthandwerker niedergelassen, die aber auch alle ihre Preise kennen. Und die Touristen aus aller Welt kaufen fleißig Souvenirs, Käse, Wein, Nudeln und Gewürzmischungen.
Alles drängt auf den großen Platz mit der Zisterne, die den Mittelpunkt des Ortes bildet.
Dort streben alle zielgerichtet auf den weltberühmten Eisladen zu, der seit drei Jahren das beste Eis Italiens herstellen soll und alle Wettbewerbe gewonnen hat. Also reihen wir uns auch in die lange Warteschlange ein und sind gespannt, wie die sündhaft teuren 3 Bällchen im Pappbecher schmecken. Durchschnittlich - da gibt es bessere Gelaterias in Italien!
Der historische Stadtkern ist seit 1990 Weltkulturerbe. Besonders hervorzuheben sind die vielen Geschlechtertürme, die noch erhalten sind. Die Familien versuchten damals, sich gegenseitig zu übertrumpfen und bauten immer höhere Türme, obwohl die Wohnungen dort oben nicht besser wurden.
Mit einem Blick über die toskanische Landschaft verabschieden wir uns von der ehemals blühenden Stadt, die heute noch 7700 Einwohner zählt, denn wir müssen noch zu einer Weinprobe in den nahe gelegenen Ort Ulignano fahren. Die findet auf dem kleinen Weingut von Tenuta Torciano statt, wobei unser Bus den gesamten Ausschankbereich füllt. Die Weine sind mäßig und die touristisch aufgemachte Präsentation ist auch nicht besser. Dafür gefällt uns aber das angebotene Trüffelöl besonders gut, sodass wir zwei Flaschen mitnehmen.
Gegen 20:00 Uhr sind wir wieder zurück in Montecatini Terme und ziemlich geschafft von dem anstrengenden Besichtigungstag.
 

Pisa

Unsere Besichtigungstour beginnt erst um 14:00 Uhr, sodass wir den Morgen noch für verschiedene Massagen und physiotherapeutische Anwendungen zur Verfügung haben, die von dem Reiseveranstalter Trendtours kostenlos angeboten werden und im Preis inbegriffen sind. Inzwischen sind wir der Meinung, dass dieser Reiseveranstalter gar keine schlechten Angebote hat und alle seine Versprechungen eingehalten hat. Wir sind sehr zufrieden mit der Organisation und dem Programm.

Natürlich muss der Bus wie in den Vortagen außerhalb der Stadt parken und wir müssen mit einem Shuttle-Bus zur Stadtmauer fahren. Dort marschieren wir zwischen ungezählten Verkaufsbuden und dicht gedrängten Passanten an der Stadtmauer entlang bis zur Porta Nuova und schauen staunend  hindurch auf den leuchtenden Gebäudekomplex aus weißem Marmor, der von der Kathedrale St. Marien, der Taufkapelle und dem (schiefen) Glockenturm gebildet wird.
Es sieht durch den Torbogen zunächst spannend, dann aber überwältigend aus.

Die Tausenden von Touristen muss man sich einfach wegdenken. wenn man sich dem Glockenturm nähert. Es ist wirklich ein schiefer Turm, wenn man davor steht und die Schieflage von 4,10 m deutlich wahrnimmt. Viele Japaner posieren mit schief gehaltenen und stützenden Händen für ein Foto, weil man das ja doch irgendwie nicht glauben kann, dass ein solcher Turm so schief stehen kann.
Unsere schlagfertige und gewitzte Reiseführerin erklärt uns die Geschichte des Turms und natürlich auch alle Begradigungsversuche. Der Platz vor der Kathedrale wird allgemein als "Piazza dei Miraculi" bezeichnet, weil die Standfestigkeit des Turms bis heute irgendwie als ein Wunder angesehen wird.
Wir verzichten auf eine Besteigung des Glockenturms
und besuchen stattdessen die Kathedrale, die innen gewaltig ist und viele Kunstwerke aufweist. 

Im Seitenschiff befindet sich sogar der Sarkophag von Heinrich VII, einem deutschen Kaiser.
Dazu auch ein Leuchter, an dem Galileo Galilei die Pendelgesetze studiert haben soll.
Die vergoldete Kassettendecke stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Die reich verzierte Kanzel stammt von Giovanni Pisano aus der Zeit von 1302 bis 1311 und gilt als die schönste aller vergleichbaren Kanzeln. Die Marmorarbeiten sind so toll gemacht, dass man glaubt, es handele sich um Holzschnitzereien.
Dennoch gefällt uns der Dom von Siena noch besser, weil die Gesamtarchitektur aus weißem und dunkelgrünem Marmor harmonischer gestaltet ist.
Mit dem Abschied von Pisa verabschieden wir uns auch von der Toskana, denn am nächsten Morgen startet der Bus um 7:40 Uhr wieder nach Düsseldorf, wo wir um 23:40 Uhr am Fernbahnhof eintreffen. Abzüglich der 2 Stunden Pausen haben wir wieder genau 14 Stunden Fahrzeit gebraucht und müssen ein erneutes Kompliment an die beiden Fahrer aussprechen.
Aber noch mal mit dem Bus in die Toskana fahren würden wir nicht, sondern in jedem Fall fliegen. Man ist in 2 Stunden da und mit dem Bus hat man durch die Fahrzeit 2 volle Urlaubstage verschenkt. Vielleicht schafft es die Agentur ja, eine Flugreise anzubieten, denn mit diesem Programm und den vielen Besuchszielen ist das schon ein tolles Angebot. Lediglich die im Preis inbegriffene "Wellness" war nicht viel wert. Sie bestand aus Massagen, Elektro-, Ozon- und Physiotherapie mit Fangopackungen von ziemlich ungeschulten Leuten aus Polen, die alle Patienten über einen Kamm scherten und sich nicht einmal fragten, welche der angebotenen Leistungen ihnen überhaupt gut tun würden. Sie spulten ihr Programm in provisorisch aufgebauten Kabinen ab, unterhielten sich untereinander lustig auf polnisch, machten Witze und kümmerten sich recht wenig um die Belange der Patienten. Schade.
Im Endeffekt hat uns die Reise trotzdem gut gefallen, zumal man immer alle Wahlmöglichkeiten hatte. Wer an irgendeiner Besichtigung, Fahrt oder Veranstaltung nicht teilnehmen wollte, konnte im Hotel bleiben, auf eigene Faust etwas unternehmen oder sich am Pool vergnügen, was bei den Temperaturen von von 38°C und mehr gar keine schlechte Alternative war!
 
Weitere Hinweise:

 

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Wenn Sie Lust haben, eine Tour mit dem Bus in die Toskana zu machen, schauen Sie sich doch einmal das Programm von Trendtours an!
Vielleicht interessiert Sie ja auch ein anderes Reiseziel.
www.trendtours-gmbh.de/
   

 Letzte Aktualisierung dieser Seite am 22.02.16

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